GAG574: Dirndl und Lederhosen

Eine Geschichte über Trachten und erfundene Traditionen

Im Jahr 1883 lässt der Lehrer Josef Vogl für sich und seine Stammtischfreunde von einem Säckler im oberbayerischen Miesbach kurze Lederhosen herstellen. Doch statt Bewunderung ernten sie vor allem skeptische Blicke. Als „Kniehösler“ werden sie verspottet und die Kirche verweigert ihnen die Teilnahme an Prozessionen. Zuspruch kommt hingegen vom bayerischen König.

Wir sprechen in der Folge über Lederhosen, Dirndl und wie die bayerisch-alpenländischen Trachten im 19. Jahrhundert erfunden wurden.

Erwähnte Folgen

Literatur

  • Monika Ständecke & Jüdisches Museum (Hrsg.): Dirndl, Truhen, Edelweiss – Die Volkskunst der Brüder Wallach: [dieser Katalog erscheint zur gleichnamigen Ausstellung des Jüdischen Museums München vom 27. Juni bis 30. Dezember 2007] = Dirndl, trunks, and Edelweiss – The folk art of the Wallach brothers, 2007.

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5 Replies to “GAG574: Dirndl und Lederhosen”

  1. Maria

    Nordschwarzwald, Anfang 1960er Jahre: ausnahmslos alle Jungen trugen Lederhosen, im Sommer kurze, im Winter knielange mit Strümpfen, die mit dem Kniebund oder mit einem Straps festgehalten wurden.
    In kinderreichen Familien wurden sie jeweils an den nächst jüngeren Bruder weitergegeben. Manchmal reichte der Kniebund den Kleinen bis an die Fußknöchel. Da war noch viel Spielraum zum raus wachsen.
    Ein wirklich unverwüstliches Kleidungsstück, das man nicht zu waschen brauchte (Wie es auch immer von innen ausgesehen haben mag) und der Mutter somit einiges an Arbeit erspart hat.

  2. Thomas Brunner

    Wunderbare Folge für mich,
    Ich lebe im Chiemgau, meine Mutter hat 60 Jahre lang Dirndl geschneidert, bei der Olympiade 1972 als Dirndl Hostess die spätere Königin Sylvia von Schweden kennengelernt, mein Freund, Bauernsohn, 65 Jahre alt, erzählte immer dass ihn seine sehr gläubigen Eltern nicht zum Trachtenverein gehen ließen, mit der Begründung: da lernst nix gescheites“ es war wohl der angebliche zügellose Umgang der nicht verheirateten Jugend….

  3. Alina

    Meine lieben Podcaster,
    ich finde, mit diesem Schlusswort habt ihr Euch (oder Daniel sich ;)) selbst mal wieder übertroffen: Dynamiken der Geschichte im Kleinen am Beispiel Eures Podcasts demonstriert. Ich musste sehr schmunzeln.

    Und auch ansonsten eine sehr spannende Folge, auch im Hinblick auf die Überlegungen zur Verbindung von Traditionen mit gesellschaftlich-technologischem Wandel. Danke für diese Aufdröselung dessen, was Tracht bedeutete und bedeutet!

  4. Bock

    Traditionen wirken offenbar umso ehrwürdiger, je erfolgreicher man ihre peinliche Jugend verdrängt. Erst sind die „Kniehösler“ ein Ärgernis, später verkörpern sie Heimat, Brauchtum und vermutlich irgendeine Form von Ursprünglichkeit.

    Das lässt für die Gegenwart hoffen. Man muss nur lange genug durchhalten, dann wird aus einer modischen Zumutung womöglich Kulturgut.

    Die Crocs haben also noch Chancen. 🦌

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