GAG370: Der Kodex des Archimedes

Im Jahr 1229 kratzte ein Geistlicher Text von Pergament und überschrieb ihn anschließend mit Gebeten. Völlig unbeabsichtigt rettete er damit die älteste, bis heute erhaltene, Textsammlung in griechischer Sprache des antiken Mathematikers und Ingenieurs Archimedes von Syrakus.

In dieser Episode verfolgen wir den abenteuerlichen Weg seiner antiken Originaltexte von Syrakus über Konstantinopel, Jerusalem und Paris bis ins Jahr 1998, wo der über viele Jahrhunderte verschollene Text für 2 Millionen Dollar versteigert wurde.

Das Palimpsest war aufgrund schlechter Lagerung in einem Pariser Keller in keinem guten Zustand und musste viele Jahre bearbeitet werden. Das Ergebnis ist inzwischen hochauflösend im Netz verfügbar – und dank neuester Bildgebungsverfahren konnte der überschriebene Archimedes-Text zum größten Teil wieder sichtbar gemacht werden.

Infos zum Projekt
Das Archimedes-Palimpsest

Literatur

„Der Kodex des Archimedes: Das berühmteste Palimpsest der Welt wird entschlüsselt“, von Reviel Netz und William Noel.

AUS UNSERER WERBUNG

Du möchtest mehr über unsere Werbepartner erfahren? Hier findest du alle Infos & Rabatte!

NEU: Wer unsere Folgen lieber ohne Werbung anhören will, kann das über eine kleine Unterstützung auf Steady oder ein Abo des GeschichteFM-Plus Kanals auf Apple Podcasts tun.

Wir freuen uns, wenn ihr den Podcast bei Apple Podcasts rezensiert oder bewertet. Für alle jene, die kein iTunes verwenden, gibt’s die Podcastplattform Panoptikum, auch dort könnt ihr uns empfehlen, bewerten aber auch euer ganz eigenes Podcasthörer:innenprofil erstellen.

Wir freuen uns auch immer, wenn ihr euren Freundinnen und Freunden, Kolleginnen und Kollegen oder sogar Nachbarinnen und Nachbarn von uns erzählt!


16 Replies to “GAG370: Der Kodex des Archimedes”

  1. Hendrik S.

    Super Folge! Leider fehlt am Ende wohl ein kleines Stückchen, es hört mitten im Satz auf.

    Die Archivierung von relevanten Inhalten ist ein sehr spannendes Thema. Heutzutage ist es natürlich klar, dass wir da auf eine Retrodigitalisierung setzen, wie z.B. im Projekt VD16, VD17 (http://www.vd17.de/) sowie VD18 in denen die im deutschen Sprachbereich erschienenen Drucke des 16. bis 18. Jahrhunderts in digitaler Form vorliegen. Aber auch hier ist der Knackpunkt: Nur das, was die Zeit übersteht, kann auch digitalisiert werden. Und auch digitale Inhalte müssen gut archiviert werden.
    Mir hat die Folge sehr gut gefallen, weil sie wie Richard auch sagte, so viele Themenbereiche umspannt und es ein tolles Beispiel für die Verknüpfung mit vorherigen Folgen ist. Vielen Dank!

  2. Kai

    Hii,
    super spannende Folge!
    Ich habe einen interessanten Fakt zu der „Heureka“-Sache: Ich denke mal, dass jeder die Geschichte mit der gefälschten Krone kennt, die Silber enthalten soll statt reines Gold. Man sagt dann oft, dass Archimedes die Krone unter getaucht und mit der Verdrängung das Volumen gemessen hat um die Dichte zu bestimmen.
    Aber Gold und Silber sind jetzt nicht so unterschiedlich schwer. Und wenn man davon ausgeht, dass vielleicht nur 20% der Krone aus Silber sein wird, dann beträgt die Verdrängung nur wenige Milliliter. Das soll mal einer Messer mit dem großen Eimer oder Fass!
    Viel logischer ist, dass Archimedes sich den Auftrieb zu nutze gemacht hat — das heißt schließlich auch das Archmedische Prinzip. Auftrieb gibt es auch in der Luft, ist aber viel viel kleiner als im Wasser. Wenn man jetzt die Krone gegen die gleiche Masse an Gold in der Luft auf eine Balkenwaage stellt, dann ist diese austariert.
    Unterwasser kommt der Auftrieb viel stärker ins Gewicht und die Krone, die mehr Volumen hat als das reine Gold, verdrängt mehr Wasser und treibt stärker nach oben — die Waage ist nicht mehr austariert.

    So kann man die Krone viel besser vermessen. Leider findet man sehr oft die „zu-kurz-gegriffene“ Erklärung.
    Cheers,
    Kai

  3. Tina Strub

    Ich bin grade völlig fasziniert. Gehört habe ich die Folge noch nicht, wollte nur schnell schauen, was das Thema heute war, mir die Folge runter laden, damit ich sie mir am Sonntag auf einer langen Autofahrt anhören kann. Und was sehe ich? Daniel hat quasi sofort den Tipp umgesetzt, den ich ihm doch erst vor ca. 3 Wochen gegeben habe. Wow!
    Dank an Daniel für die schnelle Umsetzung. Jetzt muss ich mal schauen, ob ich vielleicht doch vorher schon die Zeit finde mir die Folge anzuhören.
    Tina

  4. Lukas

    Schöne Folge!
    Auch in der Musik ist die Überlieferung oft ein Problem.
    Auch viele Werke, die gedruckt wurden gelten heute (noch) als verloren.
    Eine besonders schöne Ausnahme ist allerdings das Lautenbuch von Vincenzo Capirola.
    In diesem Manuskript schreibt sein Schüler (der es wohl verfasst hat) im Vorwort, dass er möchte dass diese Musik unbedingt erhalten bleibt, weshalb er die Seiten reich hat illustrieren lassen. Damit die Leute das Buch wenigstens wegen der Bilder, wenn schon nicht wegen der Musik aufheben.
    Zu sehen gibts das in all seiner Pracht hier:
    http://vmirror.imslp.org/files/imglnks/usimg/c/ce/IMSLP151001-PMLP277960-capriola_lutebook.pdf

  5. Mithrandir

    Tolle Folge.
    Heire ein Tipp, wie man sich die Formeln für Kreisumfang und -durchmesser merken bzw. diese auseinanderhalten kann.
    Man braucht immer: Die Zahl 2, den Radius und PI.
    Der Unterschied ist dass die Zwei einmal als Multiplikant des Radius und einmal als Exponent des Radius dient. also „mal Zwei“ oder hoch Zwei.
    Wenn man jetzt weiß, dass die EInheit bei der Fläche cm hoch zwei ist, weiß man auch, dass bei der Fläche der Exponent zum tragen kommt, denn nur dann passt es mit der Einheit, die ja auch quadriert wird.
    Also Fläche = cm² –> π r²
    Durchmesser =cm = π 2r

    • Tina

      Das ist sicher nur ein Flüchtigkeitsfehler, aber was du als Durchmesser bezeichnest ist natürlich der Umfang. Der Durchmesser ist ja schlicht das doppelte des Radius.

  6. Steffi

    Diese Folge gehört zu den besten überhaupt – auch wenn grundsätzlich alle Eure Folgen supertoll sind. Ich saß gestern völlig gebannt davor und bin schon am recherchieren, was es zu dem Thema noch im Netz gibt. Eure Literaturquellen werden natürlich auch gleich angezapft. Danke nochmal!

  7. Sebastian Martin Dicke

    Daniel hat Hacker erwähnt, allerdings tut er dabei so als seien das Computerkriminelle. Das ist allerdings eine abwertende Verwendung, wie sie in vielen Medien für ein breites Publikum üblich ist. Es gibt eine Hackerkultur, die nichts mit Kriminalität zu tun hat. Hacker sind Menschen, die sich kreativ mit ihrer, oft technischen Umwelt, auseinandersetzen. Hacker sind Bastler, die unkonventionelle Lösungen für Hardware-, Software und gesellschaftliche Probleme suchen. Menschen, die andere mit Computern angreifen wollen, werden als Cracker bezeichnet.

      • Sebastian Martin Dicke

        Gut, ich war schon ganz entsetzt. Eure Folge 117 muss mir irgendwie entgangen sein. Ich habe alle eure neueren Folgen gehört; von euren älteren Folgen habe ich nur einige gehört, noch nicht alle. Aber die verbleibenden Folgen werde ich im Laufe der Zeit nachholen.

  8. Moni

    Sehr gute Folge! Wen das Verlieren und Finden antiker Schriften interessiert, empfehle ich Cloud Cuckoo Land von Anthony Doerr. In diesem fiktiven Roman geht es um eine fiktive antike Schrift und die Hände im Konstantinopel des 15. Jhd. , in der modernen USA und in einem Raumschiff in der Zukunft, die es berührt hat.

  9. Anna

    Eine Frage blieb mir nach dieser spannenden Folge: Wie fanden denn die ausgerissene Seite aus Cambridge (hoffentlich besser erhalten) und der so schmählich verschimmelte Rest des Gebetbuches wieder zueinander?

  10. Daniel Kirmse

    Danke für diese wunderbare Folge.
    Es ist schon arg verwunderlich, dass uns Überlieferungen über so lange Zeiträume erreichen. Zum einen ist es ein Glück, dass überhaupt etwas überliefert wurde, aber auch eben dadurch wird einem bewusst, wie viel es nicht bis zu uns geschafft hat.

    Wenn man sich an den Medienwechsel als kritischstes Moment der Überlieferung hält, dann muss man sich sehr große Sorgen machen, was unsere Generationen an die Nachwelt weiterreichen können. Ja, wir digitalisieren viel und haben säurefreies Papier. Aber gerade in der Digitalisierung liegt aus meiner Sicht das größte Problem. Nicht nur, dass es innerhalb weniger Jahre Medienwechsel zu CD, DVD gegeben hat, nun kommt vermutlich vermehrt Cloudspeicher ins Spiel. Da reden wir ja plötzlich über öffentliches Wissen in der Hand von privaten Firmen und deren in der Regel begrenztes Überlebenspotential.

    Habt ihr Einsichten darüber, wie im heutigen Bibliothekswesen Überlieferung organisiert ist? Spielt die Digitalisierung dabei überhaupt eine sooo große Rolle? Und für wie überlieferungssicher haltet ihr diese Formen überhaupt? CDs und DVDs haben nur begrenzte Lebensdauer, Festplatten sind auch nicht viel besser, von den Geräten, die diese Datenträger lesen können ganz zu schweigen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Seit sieben Jahren erzählen sich die Historiker Daniel Meßner und Richard Hemmer Woche für Woche eine Geschichte aus der Geschichte. Das Besondere daran: der eine weiß nie, was der andere ihm erzählen wird. Dabei geht es um vergessene Ereignisse, außergewöhnliche Persönlichkeiten und überraschende Zusammenhänge der Geschichte aus allen Epochen.

Mehr Podcasts