GAG61: Die niederländische “Tulpenmanie” (und warum sie gar nicht so schlimm war)

Die niederländische Tulpenmanie gilt in der öffentlichen Wahrnehmung als die erste (geplatzte) Spekulationsblase. Wir springen zurück ins beginnende 17. Jahrhundert und sprechen darüber, wie es so weit kam und warum das alles so gar nicht stimmt.

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7 Replies to “GAG61: Die niederländische “Tulpenmanie” (und warum sie gar nicht so schlimm war)”

  1. Gomes

    Das mit der Krankheit ist ein wenig zu kurz gekommen. Deswegen ein kleiner Kommentar…
    Irgendwann habe ich zu diesem Thema einmal folgendes gelesen:

    1637 sind Spekulanten zur Regierung von Holland gelaufen und haben gerufen:”Wir benötigen Geld! Ansonsten gibt es eine Staatskriese!”
    Die Regierung hat sich zur Beratung zurück gezogen und ist nach 3 Tagen zur Erkenntnis gekommen:
    “Spekulationen auf Tulpenzwiebel sind nicht Staatstragend sondern das ist Glücksspiel! Und Glücksspiel hat nichts mit Wirtschaftlichkeit zu tun sondern gilt als Krankheit!”

    P.S.: Keine Ursache.

    • richard

      Hallo Gomes!

      Interessante Anekdote, aber so wie alles im Zusammenhang mit der Tulpenkrise ein bisschen zu verkürzt, bzw. vermengt mit mehreren unterschiedlichen Dingen.

      Die Regierung hat im Jahr 1637 tatsächlich darüber nachgedacht, den Tulpenhandel zu besteuern (da sie zb auch das Kartenspiel besteuern wollten), sind dann aber in den Diskussionen nicht wirklich zu einem Schluss gekommen, ob der Tulpenhandel wirklicher Handel oder nur eine Art Liebhaberei ist.

      Die ganze Diskussion war dann natürlich hinfällig, da kurz bevor die entsprechende Sitzung zu dem Thema beendet war (am 7. Februar), die Preise der Tulpenzwiebeln schon zu fallen begonnen hatten (so um den 5. Februar herum).

      Die Spekulanten sind aber tatsächlich zur Regierung gerannt, allerdings wollten sie kein Geld, sondern in erster Linie eine rechtliche Absicherung, dass die Verträge, die abgeschlossen waren, auch weiterhin Gültigkeit hätten (andere wollten das Gegenteil, aber das Begehr war dasselbe – Rechtssicherheit).

      Lg,
      Richard

  2. baffi

    Hallo Richard,

    diese Folge (welche entgegen Deiner Befürchtungen übrigens gut vorgetragen war) hat mich dann doch überrascht. Es ist grundsätzlich immer gut, Irrglauben zu dekonstruieren und gerade bei auch heute noch gesellschaftlich relevanten Themen mit “alten Gewissheiten” aufzuräumen.

    Trotzdem schmerzt es ein wenig, die Tulpenmanie nicht mehr uneingeschränkt als Beispiel für die Gefahr von Spekulationen, bzw. Spekulationsblasen anwenden zu können, da sie so herrlich einfach und anschaulich den Wahnsinn dahinter illustriert.

    Kann man denn, auch wenn damals weniger Schaden entstanden ist, als auch ich noch vor ein paar Minuten annahm, zumindest weiterhin von der “Erfindung der Spekulationblasen” sprechen? Oder gab es auch das schon früher, nur wurde dieses Beispiel wegen seiner “Farbigkeit” so populär?

    • Richard

      Hallo Baffi,

      danke für deinen Kommentar! Also, ja, generell kann man im Fall des Tulpenfieber oder Tulpenmanie schon von einer Art Spekulationsblase sprechen. Schließlich war es ja tatsächlich so, dass es hier ein Produkt gab, das an sich keinen inhärenten Wert hatte, dieser aber künstlich durch Verknappung und diverse Tauschhandel hochgetrieben wurde. Speziell natürlich auch, dass auf viele Zwiebeln gesetzt wurde, die ja noch nicht mal existierten, sondern zuerst mal wachsen mussten. Ich denke, der große Unterschied zum gängigen Narrativ ist aber, dass das Blasen dieser Platze nicht die Auswirkungen hatte, die generell gern verbreitet werden (siehe auch die Verbreitung der Geschichte durch Werke, die in erster Linie dazu gedacht waren, sich über die Leute lustig zu machen).

      Wie in der Episode glaub ich auch vermerkt, ist der Handel mit Tulpenzwiebeln nur ein oder zwei Jahre nach dem Crash schon wieder dokumentiert. Vor allem die Tatsache, dass ja ein Großteil der Spekulationen stattfanden, bevor überhaupt Geld den Besitzer gewechselt hatte, sorgte auch dafür, dass die ökonomischen Auswirkungen auf die Spekulanten und schließlich auch die gesamte Wirtschaft der damaligen Niederlande sehr überschaubar und weit weg von den katastrophalen Ausmaßen waren, die heutzutage gerne dazugedichtet werden.

      Ich hoffe, das beantwortet deine Frage!

      Liebe Grüße,
      Richard

  3. baffi

    Hallo Richard,

    Danke für Deine Antwort. Ich denke, ich werde danach auch zukünftig guten Gewissens auf diese Episode hinweisen können, um die Anfänge der Spekulationsblasen zu illustrieren. Wenn hier auch noch einmal die Folgen dieses “Glücksspiels” eingefangen werden konnten (was ja wohl auch mit der begrenzten Zahl der Teilnehmer zusammenhängt, die zudem im wirtschaftlichen Handeln erfahren waren), zeigt es zumindest die Strukturen der Entstehung solcher Blasen auf. Und je mehr (auch unerfahrene) Teilnehmer so ein Konstrukt erhält, desto mehr Risiken werden entstehen, da man die Entwicklungen nicht mehr so leicht einfangen bzw. rückabwickeln kann.

    Gruß
    baffi

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Seit sechs Jahren erzählen sich die Historiker Daniel Meßner und Richard Hemmer Woche für Woche eine Geschichte aus der Geschichte. Das Besondere daran: der eine weiß nie, was der andere ihm erzählen wird. Dabei geht es um vergessene Ereignisse, außergewöhnliche Persönlichkeiten und überraschende Zusammenhänge der Geschichte aus allen Epochen.

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