GAG254: Eine kurze Geschichte des Kautschuks

Wir beschäftigen uns dieser Folge mit Kautschuk und seiner zentralen Bedeutung für die Industrialisierung und Kolonialisierung Anfang des 20. Jahrhunderts: Der zunehmende Bedarf an Gummi sorgte für einen Kautschuk-Boom in Brasilien, wo im Amazonasgebiet der Kautschukbaum Hevea brasiliensis wächst. Der Boom dort war aber bald vorbei, nachdem Henry Wickham 70.000 Samen des Baumes nach London schmuggelte und kurze Zeit später in Südostasien die ersten Kautschuk-Plantagen angelegt wurden.

Die in der Folge angesprochenen Bücher sind The Devil’s Milk und The Thief at the End of the World.

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30 Replies to “GAG254: Eine kurze Geschichte des Kautschuks”

  1. Timo

    Was das Thema Kautschuk und Kolonisation angeht, gibt es noch mehr spannendes „Füllmaterial“. Z.B. wie die Firma Firestone in Liberia die größte Kautschuk-Plantage der Welt eröffnet und dann in die Mühlen des Bürgerkriegs dort hineingerät:

    Wikipedia:
    „…Ab 1926 macht Firestone die kleine Stadt Harbel in der Republik Liberia in Westafrika zum Zentrum der größten Kautschukplantage der Welt. Diese geriet bald in heftige Kritik, denn Firestone wurde vorgeworfen, dort Kinderarbeit und andere Menschenrechtsverstöße zuzulassen, was das Unternehmen jedoch zurückwies. Die Firestone-Plantage ist neben Eisenerz-Minen noch heute das größte Wirtschaftsunternehmen und der größte Arbeitgeber in Liberia. …“

    Dazu eine wunderbare Doku:
    https://www.youtube.com/watch?v=bPNJst7vAH0

    • Tina

      Liberia kam mir beim Anhören dieser Folge auch direkt als „Paradebeispiel“ in den Sinn – schade, dass es in der Folge nicht auftaucht, aber vielleicht wäre Liberia als Staat insgesamt auch mal eine eigene Folge wert. 🙂

  2. Maxi

    Hallo Lieber Daniel,
    eine sehr schöne Folge zum Kautschuk! Ich hätte aber ein kleines Feedback: Bei mir als Chemie-Studenten gab es einen kleinen innerlichen Aufschrei, als du die Synthese-Edukte von Buna genannt hast. Butadien spricht man nämlich folgendermaßen aus: Buta-di-en (wobei das a in buta kurz ist und die Trennungsstriche für kurze Pausen stehen). Das „di“ kommt aus dem lateinischen für „zwei“ und das „en“ steht dafür, dass zweimal zwei Kohlenstoffatome mit Doppelbindungen verbunden sind. Butadien ist also ein Molekül mit vier Kohlenstoffatomen und zwei Doppelbindungen. Nach diesem kleinen Exkurs: macht weiter so mit eurem tollen Podcast! 🙂

    • Barbara Fischer-Bossert

      Wobei Du noch vergessen hast zu erwähnen, daß die Betonung des Worts auf dem „en“ liegt. Wie Du habe ich bei der falschen Aussprache innerlich aufgejault, auch wenn mein Chemie-Nebenfach-Vordiplom schon ewig her ist.

      • Hanna

        Da ging es mir ähnlich, obwohl der Rest der Folge super war! Sehr interessant und mit so vielen historischen Verbindungen. Großartig. (Thema für die 5.PK im Abi gefunden, danke dafür!)

      • Claire Bergmann

        Schade, dass Du für die Betonung nur „en“ geschrieben hast. Das konnte Daniel natürlich auch nicht verstehen, wie man es in der folgenden Episode hören kann.
        Eine Aussprachhilfe á la „eeen“ fehlt hier also noch. – Ansonsten sehr guter Postcast und hier auch prima Kommentare! (Habe es erst vor zwei Wochen entdeckt und höre mich nun durch alle Folgen durch.)

  3. Ole

    Hallo, tolle Folge wieder mal. Einen kleinen selbstreferentiellen Verweis habt ihr aber, glaube ich, in eurer Bescheidenheit vergessen. Der Namensgeber von Kautschuk und Latex, Charles Marie de La Condamine, konnte seine Forschungsreisen nur machen, weil er mit Voltaire beim Lotterie-Hack soviel Geld verdient hatte (ZS 139). Machts gut. Ich bin schon gespannt auf die nächste Folge

  4. Fabian

    Eine weitere tolle Folge! – Ich hoffe auf mindestens 254 kommende! 😉

    Im Zusammenhang mit einer möglichen Vertiefung des Kautschuk-Themas in Amazonien (Fordlandia etc.) der Hinweis auf folgende Geschichte:

    In Manaus, also quasi mitten im brasilianischen Urwald, wurde durch die Einnahmen des Kautschukbooms das irrwitzig Projekt eines Opernhauses finanziert und 1896 realisiert. Nach dem Kurssturz bei Kautschuk wurde das Gebäude nur knapp zehn Jahre nach seiner Eröffnung über Jahrzehnte kaum mehr genutzt, das feuchte Amazonasklima und Termiten setzten ihm zu. Der Film „Fitzcarraldo“ von Werner Herzog bezieht sich auf das Opernhaus.

    vgl. u.a. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Teatro_Amazonas

    Die Stadt Manaus war im 21. Jahrhundert wegen eines weiteren Baus in den Schlagzeilen, weil hier Spiele der Fussball-WM stattfanden und dafür eigens ein Stadion gebaut wurde.

  5. Rainer

    Lieber Daniel,

    danke für diese wunderbare Folge über den Kautschuk. Da ich mal 5 Jahre für einen der heutigen Weltmarktführer im Bereich des Synthesekautschuks gearbeitet habe, konnte ich mich daran erinnern, dass wir seinerzeit dessen 100jähriges Jubiläums (also des Synthesekautschuks) gefeiert zu haben. In diesem Zusammenhang wurde auch ein Buch erstellt und an alle Mitarbeiter verteilt, so dass ich dieses noch mein eigen nennen darf. Ich habe es mal rausgekramt und darin gestöbert. Dabei sind mir folgende Punkte in der ansonsten vorzüglichen Abhandlung aufgefallen:

    Bereits im September 1909 erteilte das Kaiserliche Patentamt das Patent Nr. 250690 für das Verfahren zur Herstellung von künstlichem Kautschuk, was aber in Bezug auf Kosten und Qualität nicht an den Naturkautschuk herankam. Ein Jahr später wurde das Methylkautschuk auf Basis von Dimethylbutadien entwickelt, was dann von der Firma Continental für die Herstellung von Autoreifen genutzt wurde. Es ist belegt, dass auch die Staatskarosse von Kaiser Wilhelm II. mit diesen Reifen ausgestattet wurden. Allerdings war er nicht sehr luftbeständig und kaum lagerfähig, wurde aber im 1. Weltkrieg in U-Booten zum Abdichten von Lagern und von Akkumulatorenkästen genutzt, da Deutschland von der Versorgung mit Naturkautschuk abgeschnitten war. Nach dem 1. Weltkrieg war dann aber in der Tat „Pause“ bis in den 20er Jahren mit Buna ein neuer Impuls kam. Der endgültige Durchbruch von Synthesekautschuk kam dann aber wohl erst in den 50er und 60er Jahren als der Grundstoff Butadien deutlich kostengünstiger aus Erdöl und nicht wie zuvor aus Kohle gewonnen werden konnte und auch weitere Katalysatoren (statt Natrium) gefunden und weitere Anwendungsgebiete erschlossen wurden.

    Ein zweiter Punkt betrifft die Verschiffung der Setzlinge nach Asien. Meine Quellen sagen, dass die erste Plantage auf Ceylon (heute Sri Lanka) entstand. In Singapur wurden sie wohl auch im Botanischen Garten gepflanzt bevor Plantagen auf der malysischen Halbinsel, Indonesien und heute auch in Thailand und Kambodscha entstanden.

    Noch ein FunFact zu Goodyear. Diese wurde zwar nach Charles Goodyear benannnt, aber 38 Jahre nachdem er verarmt starb, von Frank und Charles Seiberling, Söhne deutscher Einwanderer, gegründet.

    Ich hoffe hier noch interessante Aspekte hinzugefügt zu haben.

    • Simon

      Auch von mir herzlichen Dank für diese tolle Folge!

      Ich kannte schon die Geschichte des Charles Goodyear und war darum sehr gespannt auf die Einbettung in die Geschichte des Kautschuks.
      Wie Rainer richtig erwähnt, gibt es keine direkte Verbindung von Charles Goodyear zur heutigen Firma Goodyear. Das Leben von Charles Goodyear war übrigens höchst spannend, aber wohl auch sehr von Entbehrungen für ihn und seine Familie geprägt und er verstarb völlig verarmt.

  6. Stefan

    Lieber Daniel!
    Vielen Dank für die tolle Folge. Wie aktuell das Thema ist, zeigt (leider!) eine Studie, die vor zwei Wochen in der Zeitschrift ‚Nature‘ erschienen ist, wonach 200’000 Tonnen Mikroplastik, das von Autoreifen erzeugt wird, in den Weltmeeren landen. (Hier ein Bericht von ‚The Guardian‘ dazu: https://www.theguardian.com/environment/2020/jul/14/car-tyres-are-major-source-of-ocean-microplastics-study).
    Und wer gerne Comics liest, kann auf Seite 58 von Tim im Kongo nachschauen, wie man Kautschuk-Baüme als Schleuder einsetzen kann! :-O
    Liebe Grüße aus Genf!

  7. Janine

    Sehr schöne Geschichte! Nur bei einer Sache musste ich mich kurz schütteln: Die Hauptkomponentente von BUNA spricht man „Buta-di-en“ (alles einzelne Silben) aus, weil es Buta =4, di = 2, en = Doppelbindung, mit anderen Worten, es handelt sich um einen Kohlenwasserstoff aus einer Kette mit 4 C-Atomen, wobei innerhalb der Kette zwei Doppelbindungen auftreten …. wichtig, falls Oberstufenschüler zuhören, die Chemie noch nicht abgewählt haben 😉

  8. Henry

    Lieber Daniel,

    sowas aber auch – da bist du meinem Themenvorschlag zuvor gekommen 😉
    Wie immer eine tolle Folge!
    Ich wollte dir das Thema schon lange vorschlagen und habe es immer wieder vergessen und verschoben.

    Der Kautschukboom hat Brasilien, und ganz besonders der Region um Manus, für eine kurze Zeit einen enormen Reichtum beschert – zusammen mit viel Leid bei der Urbevölkerung. Faszinierend finde ich immer wieder, wie die Industrialisierung in entlegenen Weltgegenden solche Hotspots hervor gebracht hat, die mit der technischen Weiterentwicklung wieder verschwunden sind.

    Ich war Themenpate für die Folge 157 über den Chile-Salpeter. Meines Erachtens ist dies eine ganz ähnliche Geschichte. In Europa und den USA entsteht aufgrund neuer technischer Entwicklungen ein Bedarf (Düngemittel, Sprengstoff, Reifen) der ganz woanders einen Produktions-Boom auslöst – bis wiederum neue Entwicklungen die Produktion überflüssig machen (Haber-Bosch-Verfahren beim Salpeter und künstlich hergestellter Gummi beim Kautschuk). Heute sehen wir vielleicht ähnliches bei der Lithium-Förderung.

    Der Reichtum in Manaus und Umgebung war überwältigend. Immerhin war Manaus die erste Stadt Brasiliens mit elektrischem Licht und einer Straßenbahn – mitten im Urwald!!

    Ich hatte das Glück in den 90er Jahren mehrmals für mehrere Monate den Rio Negro besuchen zu dürfen – einem der Hauptzuflüsse des Amazonas. Dabei bin ich auch entfernt von Manaus über die Geschichte und den Reichtum des Kautschuks gestolpert. Ich war damals unter anderem in einem Ort namens Airão Velho – viele Schiffsstunden den Rio Negro aufwärts. Dort lebte um 1900 die Familie Bezerra vom Kautschuk, und das in ziemlichen Luxus. In den Ruinen des Ortes fand ich Dachziegel aus Lissabon. Das Hauptgebäude war mit bunten Fliesen geschmückt. Im Sand am Flußufer fand ich Porzelanreste aus Paris, Reste von Schellak-Schallplaten. Die Grabplatten auf dem Friedhof waren aus Marmor.
    Vor einigen Jahren bin ich über einen schönen Artikel in der Frankfurter Rundschau zu dem Ort gestolpert:
    https://www.fr.de/panorama/dschungel-verschlungen-11053297.html

    Bis heute wird in der Region Kautschuk gefördert mit den gleichen Techniken wie vor über 100 Jahren. Natürlich lange nicht mehr in den Mengen wie damals. So wie in Chile die Arbeiter unter sklavenähnlichen Bedingungen in der Wüste haben arbeiten müssen so war es im Urwald bei der Kautschukförderung mit der indigenen Bevölkerung und ehemaligen Sklaven aus Afrika.

    Ich habe ein paar Fotos meiner damaligen Reise zusammen gestellt – es sind mehr oder weniger schlechte Scans von alten Dias und Negativen – also seid bitte gnädig bei der Beurteilung. Ich habe auch ein paar Fotos von Manaus rein gestellt. Zu erwähnen ist hier natürlich die Oper von Manaus. Allein die Tatsache, eine Oper im Urwald aufzubauen zeigt die Dekadenz und den Anspruch der damaligen Oberschicht.
    https://henry-graffmann.de/zeitsprung-kautschuk/

    Zum Abschluss muss hier natürlich auf den cineastischen Fiebertraum von Werner Herzog hingewiesen werden – „Fitzcarraldo“ mit Klaus Kinski. Wenn ein Film die Kontraste, Ansprüche und Träume der damaligen Zeit gut einfängt, dann dieser hier.

    Soviel heute von mir. Liebe Grüße und weiter so!!

    Henry

  9. Niko

    Schöne Folge. Viele Themen, von denen ich schon mal Stichworte gehört hatte (Fordlandia, Buna, …) aber natürlich feststellen musste, das ich eigentlich doch keine Ahnung habe.
    Auch spannende Nebendiskussion über Zirkelschlüsse bei Wikipedia. In diesem konkreten Fall scheint sich Richards Korrekturversuch aktuell aber durchgesetzt zu haben (Stand 7.8.20).

  10. Dirk

    Hallo,

    Erstmal vielen Dank für die tolle Folge! Ich habe die letzten Jahre an den Einflüssen von Kautschuk und Palmöl auf Bodenmikroben im Vergleich zu Regenwaldflächen geforscht und über das Projekt viel über die Rolle von Kautschuk in Indonesien gelernt. Als Ergänzung für die jüngere Geschichte des Kautschuks vielleicht noch das hier:

    Kautschuk Anbau ist heute ja wie in der Folge erwähnt ein wichtiger Wirtschaftszweig in Südostasien, insbesondere Indonesien und Malaysia. Heutzutage wird ja meist über Palmöl gesprochen, dabei gibt es eine relativ enge Verbindung zum Kautschuk. Während der Palmöl Anbau zwar sehr viel schneller expandiert, ist Kautschuk Anbau auf Sumatra flächenmäßig immernoch größer als Palmölanbau. Außerdem hat erst Kautschuk- und dann Palmölanbau maßgeblich zur Entwicklung einer Mittelschicht und einem gewissen Wohlstand geführt. Kautschuk wird auch oft von weniger wohlhabenden Bauern angebaut, weil die Anfangsinvestition deutlich kleiner ist als beim Palmöl. Kann diese Investition dann irgendwann überbrückt werden, wird oft auf Palmöl umgestiegen, welches meist von großen Firmen oder staatlichen Plantagen angebaut wird.
    Dementsprechend ist Kautschuk auch heute noch ein riesiger Faktor in Indonesien gerade bei den privaten Bauern, trotz der internationalen Bedeutung und Prominenz des Palmöl.

    Grüße,
    Dirk

  11. Patrick

    Interessante Folge über den Kautschuk! Ihr erwähnt Bridgestone als den grössten Reifenhersteller. Ich hab da einen kleinen Schmunzler für euch:
    Schaut euch mal an, wie viele Stück Reifen von Lego produziert werden. Theoretisch wäre nach Stückzahlen gemessen, dies der grösste Reifenhersteller.

  12. Dominik Flohr

    Ich liebe eure Podcasts! Auch die über den Kautschuk war wieder sehr interessant.

    Wie mir ist euch der Bezug zur Gegenwart eurer Geschichten wichtig, das freut mich! Darum habe ich diesen Hinweis vermisst:

    Der Reifenabrieb verschmutzt unsere Umwelt immens. Ähnlich wie Mikroplastik verteilt er sich über die Welt. Allein in Deutschland waren es 110.000 Tonnen Reifenabrieb und 46 Mio. Altreifen im Jahr 2017. (Quelle: „W wie Wissen“, ARD).

    Ich freue mich auf die nächsten Folgen, macht genauso weiter!

  13. Silvio Haupt

    Sehr interessante Folge. Vielen Dank.

    Das erinnerte mich an die (zugegebenermaßen alten) Bücher von Manfred Künne (https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_K%C3%BCnne), die ich teilweise vor Jahren *hust* mit Begeisterung gelesen habe.
    – Kautschuk – Roman eines Rohstoffes (1959)
    – Gummi – Roman eines Werkstoffes (1968)
    – Buna – Roman eines Kunststoffes (1985).

    Hm, erfüllt aber wohl nicht die Ansprüche an „solide“ Literatur.
    „Nach der Wende nahm der Mitteldeutsche Verlag Künnes Texte wegen der einseitigen und prosowjetischen Sichtweise seiner späten Publikationen vom Markt. „

  14. Anja Gerdes

    Das aktuelle Zeitgeschehen – ein Echo zu dieser Folge.
    (dito. zur Folge ZS90 Aufstieg und Fall des Roger Casement)

    Die aktuellen „Black Live Matters“ – Proteste haben Auswirkungen auf das Geschichtverständnis Belgiens: Die Rolle des Kolonialismus von Leopold II. in seinem Kongo-Freistaat wird kritisch hinterfragt.
    Artikel gefunden in der „Neuen Züricher Zeitung“ vom Montag, den 17. August 2020:
    https://www.nzz.ch/international/belgien-koenig-leopolds-langer-schatten-ld.1570187

  15. Karsten

    Hi, schöne Folge, wie immer. Einen Kritikpunkt habe ich aber, der meinen Genuss der Folge schon etwas beeinträchtigt hat.

    Ihr geht – völlig zurecht – auf die grässlichen Verbrechen der Belgier im Kongo und der Deutschen in den KZs ein. Dazwischen, wo es um die Engländer geht, scheinen aber andere Regeln zu gelten.

    Die Aufzucht von Kautschuk in Malaysia war ganz überwiegend eine Aufgabe der Chinesen und Inder, die oftmals unfreiwillig (und ganz sicher gegen den Willen der entrechteten Einheimischen) nach Malaysia verbracht und dort brutal ausgebeutet wurden. Noch heute sind zahlreiche politische Konflikte auf diese Umsiedlungen durch die Kolonialherren zurückzuführen – bis hin zur Trennung zwischen Singapur und Malaysia, einen Bürgerkrieg entlang ethnischer Fronten nach dem zweiten Weltkrieg und dem berüchtigten 13. Mai 1969.

    Das ist zwar alles ein bisschen komplexer, das gebe ich zu. Aber wenn man die brutale, menschenverachtende Ausbeutung des Kautschuk (oder im Fall der Nazis der Herstellung von Ersatzstoffen) mal zum Thema macht, dann bitte auch überall.

  16. RaStar

    Super Folge!

    Zu dem Wikipediafeedback: Ich finde es gut, dass ihr auch in der Wikipedia den Hinweis hinterlassen habt. Soweit ich sehen kann wurde der Text zu der falschen Reise 1544 einen Tag nach deinem Kommentar entfernt.

  17. Martin Zeise

    Hallo,
    ich habe erst vor ein paar Wochen euren sehr interessanten Podcast entdeckt und höre jetzt stückweise ältere Folgen nach. Zu dieser Kautschuk-Geschichte ist mir auch noch eine Geschichte in der Geschichte eingefallen:
    Nachdem Leopold II. um 1907 seinen „Freistaat Kongo“ an den belgischen Staat abtreten musste, hat er noch schnell eine Stiftung gegründet und dorthin ein paar Millionen verschoben, um das Geld dami vor dem Zugriff des Staats zu sichern. Als Ort dieser Stiftung wählte er Niederfüllbach bei Coburg (heute im Norden Bayerns) aus, weil er aus dem Hause Sachsen-Coburg und Gotha stammte. Später musste zwar die Stiftung doch noch größere Teile des Geldes an den belgischen Staat abtreten. Die Ländereien in der Gegend von Coburg durfte sie aber behalten. Und so bekommen die Stadt und der Landkreis Coburg bis heute jährlich ca. 250.000 Euro für gemeinnützige Zwecke, die aber der Stiftungsrat bestimmt. Zusammengefasst: Stadt und Landkreis Coburg leben bis heute gut mit dem Kautschuk-Geld, das Leopold II. der indigenen Bevölkerung des Kongo unter großen Opfern abgepresst hat.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Niederf%C3%BCllbacher_Stiftung?wprov=sfla1

  18. Simon

    Noch ein Spaßfakt zur Verknüpfung der Episoden: Joseph Hooker, der hier als Auftraggeber des „Kautschukdiebstahls“ auftritt, war als Botaniker bei der direkten Vorgängerexpedition der Franklin-Expedition an Bord. Dabei haben die Erebus und die Terror sehr erfolgreich die Antarktis erforscht, bevor sie dann nur wenige Jahre später – wie von Richard in Folge 126 geschildert – in der Arktis verschwanden.

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