GAG292: Paul Grüninger

Wir springen in dieser Folge ins Jahr 1938. Nach dem sogenannten Anschluss bleibt vielen Jüdinnen und Juden nur die Flucht ins Ausland. Vor allem in der eigentlich neutralen Schweiz erhoffen sie sich Zuflucht, doch schon bald macht auch die Schweiz für sie die Grenzen dicht.

Wir sprechen in dieser Folge über einen Mann, Paul Grüninger, dessen Aufgabe eigentlich die Bewachung dieser Grenzen war, der aber schließlich nicht seinen dienstlichen Anweisungen sondern seinem Gewissen folgt und damit tausenden Menschen das Leben retten wird.

Das in der Folge erwähnte Buch ist „Grüningers Fall“ von Stefan Keller.

Das Episodenbild zeigt Paul Grüninger, vermutlich aus dem Jahr 1939.

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15 Replies to “GAG292: Paul Grüninger”

  1. Marc St.

    Als jemand, der im Kanton St. Gallen aufgewachsen ist, möchte ich anmerken, dass die Geschichte immer noch verhältnismässig wenig bekannt ist. Auch in der Schule wurde es nur aus “goodwill” des Lehrers heraus gestreift.

    Was die Geschwindigkeit der Rehabilitation betrifft, so ist das irgendwie typisch für die Schweiz. Der Bergier-Report, der die Rolle der Schweiz im 2. Weltkrieg neutral beteachtete wurde zum Beispiel erst 1996 in Auftrag gegeben.

    Ansonsten sehr gute Folge. Ich bin immer erfreut, wenn ein Scherizer Thema beleuchtet wird.

    • Andreas Moser

      Und auch in den 1990ern erst nach angedrohten Sammelklagen aus den USA gegen Schweizer Banken…
      Aber in Deutschland hat es bei vielen Aspekten der Aufarbeitung genauso lange gedauert. 😞

    • Christine

      Als jemand, der in St. Gallen an der Oberstufe unterrichtet, kann ich freudig berichten, dass das neue Lehrmittel Grüniger gebührend ehrt & auch im Rahmen der Fortbildung zum neuen Lehrplan allen Lehrpersonen, die Geschichte unterrichten, seine Biografie näher gebracht wird. Auch ganz spannend wäre der Transport von Häftlingen aus Theresienstadt, welche im Hadwig Schulhaus untergebracht worden sind (einmalige Sache – gut erforscht vom Geschichtsinstitut der PH St. Gallen – welche den Sitz im Gebäude hat…). Lg us de Schwiiz

  2. Susanne

    👏, Richard! Sehr, sehr gute und wichtige Folge!!! Themen, die mit Flucht, Verfolgung und dem Umgang damit zu tun haben, kann man gar nicht oft genug besprechen und reflektieren.

  3. Matthias

    Vielen herzlichen Dank für diese spannende Folge. Ich feiere gerade doppelt, einerseits euren Gewinn zum besten Podcast, andererseits diese schöne Folge welche zeigt, dass Menschlichkeit auch in schlimmen Zeiten existieren kann.
    Gruss aus der Schweiz

  4. gregoa

    detail zu „visum ausserhalb … so wie heutzutage“: in der tuerkei gibts (bzw. gabs 2009 oder so) ein touri-visum, das ein bunter aufkleber war, den man bei der einreise am flughafen gegen 15 EUR oder so bekommen hat.

  5. Julia Leiacker

    Ein Farbfernseher im Jahre 1970 ist nun schon etwas sehr besonderes gewesen.
    Der Fernseher war sicher für mindestens zwei Monatseinkomen gut.

    • Rainer

      Ja, das wollte ich auch gerade schreiben. Farbfernsehen gab es in Deutschland seit der Funkausstellung 1967 und anders als heute wo man in jedem Supermarkt für wenig Geld einen Flatscreen-TV mitnehmen kann musste man damals sehr viel Geld für so ein Gerät hinlegen. Und einen Farbfernseher zu haben war quasi ein Statussymbol.

  6. Reinhard

    Zum Farbfernseher: Sachgeschenke scheinen damals üblich gewesen zu sein (vielleicht durch großzügige Spenden der Industrie?). So bekam der Millionste Gastarbeiter z.b. ein Mofa.

  7. Hanspeter

    Vielen herzlichen Dank für diesen tollen Beitrag. Ich kann meinem Vorkommentierer Marc nur beipflichten, in der Schweiz ist der Name zwar Interessierten durchaus geläufig, auch die Paul-Grüninger-Stiftung ist bekannt, aber ein Thema im Geschichtsunterricht ist es nicht.
    Ein Detail noch, das eher nur Rheintaler wissen: Es ist ja oft von Diepoldsau die Rede. Ein Grund warum dort besonders viele Flüchtlinge ankamen war, dass seit 1923 der Rhein bei Diepoldsau begradigt ist (Diepoldsauer Durchstich) und seither die Gemeinde rechtsseitig des Rheins liegt (als einzige Gemeinde im Kanton). Das Durchwaten des “Alten Rheins”, eines stehenden Gewässers war wohl zu bewerkstelligen, der Rhein selber lässt sich einfach so als Flüchtling kaum überqueren.
    Grüsse aus Buchs SG

    • Thomas Reischl

      Vielen Dank für die Details!! Als Badner kenne ich den Rhein als breite, einbetonierte Grenze zum Elsass. In der Nähe vom Stuttgarter Fernsehturm gibts den “Paul Grüninger Weg”. Ist leider nur ein asphaltierter Feldweg.

  8. Marion

    Herzlichen Dank für den interessanten Beitrag über Paul Grüninger. Auch ich habe in der Schulzeit nichts von ihm gehört – leider.
    Der von euch erwähnte Film ist sehenswert.
    Liebe Grüsse aus St. Gallen (einen Steinwurf vom Paul-Grüninger-Stadion entfernt).

  9. Kristina

    Zufällig gerade in der Schweiz-Ausgabe der GEO Epoche von Paul Grüninger gelesen und noch gedacht, schade dass er nur so am Rande erwähnt wird, hätte gern mehr über ihn erfahren. Und zack, da ist eure Folge dazu! Vielen Dank!

  10. Julia

    Eine spannende Geschichte über einen großartigen Mann! Danke dafür!
    Und tatsächlich bist du, Richard, der zweite Mensch in meinem nunmehr 38jährigen Leben, den ich das Wort “estemieren” aktiv verwenden hörte. (Der erste Mensch war meine alte Tante im Erzgebirge.) Da ging mir direkt das Herz auf!

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