GAG573: Scrip, Truck und der Company Store
Wir springen in dieser Folge ins 19. und frühe 20. Jahrhundert und sprechen über eine Sache, die vor allem, aber nicht nur, in Kohlebergwerken Verwendung fand: Scrip, also Geldersatz, der Dinge vereinfachen sollte, Menschen aber auch in Abhängigkeiten führte. Wir schauen uns dafür vor allem die Gruben in den Appalachen, dem Gebirge im Osten der USA an, wo der Firmenladen, der Company Store, und die Firmenstadt, die Company Town, eine ganz eigene Lebenswelt hervorbrachten.
„Another day older and deeper in debt“ aus dem berühmten Lied „Sixteen Tons“ dient uns dabei als Orientierungshilfe: wie sah das Leben in so einer Stadt tatsächlich aus, und wie wurden die Bergleute und ihre Familien daran gebunden?
Erwähnte Folgen
- GAG456: Bierkriege – Tatort Geschichte Crossover – https://gadg.fm/456
- GAG87: Die Einführung von Freigeld und das Wunder von Wörgl – https://gadg.fm/87
- GAG56: Piggly Wiggly und die Geschichte des Supermarkts – https://gadg.fm/56
- GAG376: Nagelmackers und der Orient-Express – https://gadg.fm/376
Literatur
- Fishback, Price V.: Soft Coal, Hard Choices: The Economic Welfare of Bituminous Coal Miners, 1890–1930. 1992.
- Hilton, George W.: The Truck System, including a History of the British Truck Acts, 1465–1960. 1960.
- Hirsch, Susan Eleanor: After the Strike: A Century of Labor Struggle at Pullman. University of Illinois Press, 2003.
- Shifflett, Crandall A.: Coal Towns: Life, Work, and Culture in Company Towns of Southern Appalachia, 1880–1960. 1991.
- Stendhal: Le Rouge et le Noir. 1830, Deutsche Ausgabe: Rot und Schwarz. Chronik aus dem 19. Jahrhundert. Aus dem Französischen übersetzt und herausgegeben von Elisabeth Edl. Carl Hanser, 2004.
- Tan, Elaine S.: „Scrip as Private Money, Monetary Monopoly, and the Rent-Seeking State in Britain“. In: The Economic History Review 64/1 (2011), S. 238–257.
Das Episodenbild zeigt Papierscrip im Wert von 3 Dollar.
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Wie immer tolle Folge.
Ein weiteres Lied, das mir durch den Kopf ging:
„The L&N Don’t Stop Here Anymore“ von Jean Ritchie, oft gecovered.
Moin zusammen,
Interessante Folge wie immer.
Eie viele , dachte ich dass die Kohleminen ein perfektes Ausbeutersystem geschaffen haben weil dem Arbeiter am Zahltag bis zu 50% seines Lohns abgezogen werden.
Aber auf der anderen Seite… wer hat heutzutage am Ende des Monats noch 50% seines Gehalts für sich übrig?
Vielen Dank für die interessante Folge!
Arbeiterlieder und die Literatur geben viel her, wenn man einen Blick in die Sozialgeschichte werfen möchte. Mir fallen spontan drei Dinge ein:
Im Roman am „Rio de la Plata“ beschreibt Karl May wie Teepflücker am Ende wochenlanger Arbeit im Urwald keinen Lohn ausbezahlt bekommen, sondern mit Schulden dastehen. Heinrich Bölls „Waage der Baleks“ zeigt wie ein Monopol auch sich mit Betrug noch weiter bereichert. Im Song „Get Thee behind me Satan“ hilft die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft dabei, sich nicht von allerlei Teufeln verführen zu lassen.
Was für eine tolle Folge.
Die Abhängigkeit, wenn auch in anderer Manier, von großen Arbeitgebern in bestimmten Regionen besteht bis heute. Man frage nach z.B. im Tiroler Ort Wattens, wo die Firma Swarovski der größte Brötchengeber der Region ist. Das Wachstum des Ortes wäre ohne dieses Unternehmens nicht möglich gewesen. Man kann hier durchaus von einem Company Town sprechen. Betriebswohnungen halten hier viele ansonsten teils wenig begeisterte Mitarbeiter bei der Stange. Das Vereinswesen des Ortes wird ebenfalls von Swarovski maßgeblich beeinflusst. Manche kommen damit klar, dass der Arbeitgeber zwar gut bezahlt, sich aber unterschwellig ins Private einmischt, andere nicht.