GAG553: Das erste private Raumfahrtunternehmen der Welt

Eine Geschichte über OTRAG und warum es die Raketen nie in den Weltraum geschafft haben

Am 17. Mai 1977 um kurz nach 10 Uhr startet in Zaire (Demokratische Republik Kongo) eine Rakete. Sie ist 12 Meter lang und steigt mehr als 10 Kilometer in den strahlend-blauen Himmel. Nachdem der Krach der Triebwerke verklingt, sind Jubelschreie zu hören. Der erste Testflug ist ein riesiger Erfolg. Doch auf die Aufbruchstimmung folgt bald Ernüchterung. Aber nicht auf dem Feld der Technik, sondern aufgrund diplomatischer Verwicklungen.

Wir sprechen über OTRAG, das erste private Raumfahrtunternehmen der Welt, ein gigantisches Raketentestgelände, Abschreibungsgesellschaften und warum es die neuartigen Bündelraketen nie in den Weltraum geschafft haben.

Erwähnte Folgen

Literatur

AUS UNSERER WERBUNG

Du möchtest mehr über unsere Werbepartner erfahren? Hier findest du alle Infos & Rabatte!

Geschichten aus der Geschichte jetzt auch als Brettspiel! Werkelt mit uns am Flickerlteppich! Gibt es dort, wo es auch Becher, T-Shirts oder Hoodies zu kaufen gibt: https://geschichte.shop

Wir sind jetzt auch bei CampfireFM! Wer direkt in Folgen kommentieren will, Zusatzmaterial und Blicke hinter die Kulissen sehen will: einfach die App installieren und unserer Community beitreten:
https://www.joincampfire.fm/podcasts/22

Wir haben auch ein Buch geschrieben: Wer es erwerben will, es ist überall im Handel, aber auch direkt über den Verlag zu erwerben: https://www.piper.de/buecher/geschichten-aus-der-geschichte-isbn-978-3-492-06363-0

Wer unsere Folgen lieber ohne Werbung anhören will, kann das über eine kleine Unterstützung auf Steady oder ein Abo des GeschichteFM-Plus Kanals auf Apple Podcasts tun.

Wir freuen uns, wenn ihr den Podcast bei Apple Podcasts oder grundsätzlich wo immer dies möglich ist rezensiert oder bewertet.

Wir freuen uns auch immer, wenn ihr euren Freundinnen und Freunden, Kolleginnen und Kollegen oder sogar Nachbarinnen und Nachbarn von uns erzählt!

Du möchtest Werbung in diesem Podcast schalten? Dann erfahre hier mehr über die Werbemöglichkeiten bei Seven.One Audio!


8 Replies to “GAG553: Das erste private Raumfahrtunternehmen der Welt”

  1. Peter

    In Minute 12:20 wird die V2 als der „erste Marschflugkörper der Kriegsgeschichte“ bezeichnet. Die V2 ist aber eine ballistische Rakete mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1.500–1.600 m/s und einer Dienstgipfelhöhe von ca. 80 km. Ein Marschflugkörper fliegt typischerweise viel tiefer und langsamer.

    Der erste Marschflugkörper war die Fieseler Fi 103, auch bekannt als „Flügelbombe“ und als „Vergeltungswaffe 1“, kurz V1. Die Marschgeschwindigkeit betrug 576 km/h in 760 m Höhe, die Dienstgipfelhöhe ca. 3000 m.
    Von Juni 1944 bis März 1945 wurden ca. 12.000 Fi 103 von der Wehrmacht hauptsächlich gegen Ziele in England (London) und Belgien (Hafen von Antwerpen) eingesetzt.
    Das im Auftrag des Reichsluftfahrtministeriums ab Mitte 1942 entwickelte „Ferngeschoß in Flugzeugform“ war mit fast einer Tonne Sprengstoff beladen.
    Mittels verschiedenen Verfahren konnte die V1 gepeilt und ferngelenkt werden.

    Die Entscheidung, sowohl die V1 als auch die V2 weiterzuentwickeln und einzusetzen, wurde nach einem Vergleichsschießen am 26. Mai 1943 der beiden Waffen in Peenemünde getroffen. Die Flügelbombe galt als das einfachere System, das in größerer Stückzahl herzustellen und auf kürzeren Distanzen einzusetzen war und die Rakete als Hauptangriffswaffe unterstützen sollte.

    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Fieseler_Fi_103
    https://de.wikipedia.org/wiki/Aggregat_4

  2. Hendrik

    Hallo, zwei Podcastempfehlungen zu OTRAG bzw. zu von Braun:
    „WeltraumWagner“ (mittlerweile leider eingestellt) von hr Inforadio: https://www.hr-inforadio.de/podcast/weltraumwagner/von-mini-raumgleitern-billigraketen-und-weltraumkanonen–unverwirklichte-raumfahrtprojekte,podcast-episode-81596.html

    …und Holgi hat in Wrint mit Christopher Lauer über WvB gesprochen. CL zeichnet in seiner Bachelorarbeit ein etwas anderes Bild von von Braun: kein genialer Wissenschaftler/Ingenieur, sondern „nur“ jemand, der Beziehungen/Kontakte genutzt hat und der Leute zusammenbringen und motivieren konnte: https://wrint.de/2019/01/15/wr903-wernher-von-braun/
    Viele Grüße
    Hendrik

  3. Manfred Polak

    Moin!

    FLY ROCKET FLY dauert vollständig eineinhalb Stunden und ist wirklich faszinierend. Bei arte lief er unter dem Titel FLY ROCKET FLY – MIT MACHETEN ZU DEN STERNEN und war dort in der Mediathek.

    Eine auf weniger als die Hälfte gekürzte Fassung findet sich unter dem Titel FLY ROCKET FLY – DIE RAKETERNTRÄUME DES LUTZ KAYSER in der Mediathek des SWR.

    https://mediathekviewweb.de/#query=fly%20rocket%20fly

  4. Christoph

    Beim Start der ersten OTRAG Rakete war ich immerhin elf Jahre alt und mein Vater war durch und durch Ingenieur. Politisch interessiert war ich früh und zum Zeitpunkt der Operation El Dorado Canyon (Libyen 1986) grade als Wehrpflichtiger bei der Flugabwehr. Wie kann es sein, dass ich von der ganzen Geschichte noch nie auch nur ein einziges Wort gehört habe? … vielleicht ein Skotom 🤯

    Man muss sich das vorstellen: Damals galt die Raumfahrt zum großen Teil noch als Science Fiction, heute ist sie schon etwas für einen Geschichtspodcast. Ich glaube, ich werde langsam alt 😅

    Schöne Folge, danke für den Impuls, Daniel 😎

  5. langhaarschneider

    Lampoldshausen als in der Nähe von Stuttgart zu bezeichnen ist etwas weit hergeholt. Ich wohne im südlichen Speckgürtel von Stuttgart, habe aber noch nie von Lampoldshausen gehört. Stellt sich raus: kein Wunder, es liegt noch nördlich von Heilbronn.

  6. Daniel

    Frederick Weymar war mitnichten ein Box Promotor, ich kannte ihn sehr gut und kann dazu etwas beitragen. Und das kam so: mein Vater hatte den Auftrag die Sportstätten und Hotels für den „rumble in the jungle“, also den Kampf Foreman gegen Ali zu bauen. Er hatte Erfahrung, weil er zuvor für die Errichtung des Olympischen Dorfes in München 1972 verantwortlich war. Der Bau in Zaire war sein erstes Projekt in der Selbstständigkeit und drohte zu scheitern, als Mubutus Regierung sich weigerte die Rechnungen zu bezahlen. Während des Aufenthalts in Kinshasa hatte mein Vater Fred Weymar kennengelernt, der allerlei Geschäfte mit der Regierung im Auftrag amerikanischer Unternehmen machte. Sein Bruder F. Helmut Weymar hatte die Commodities Corporation gegründet, eine der tonangebenden Hedge Fonds der Zeit (https://en.wikipedia.org/wiki/Commodities_Corporation), Fred reiste um die Welt und kümmerte sich um alle möglichen Anlagen und Rohstoffquellen. Er selbst hatte verschiedene Banken in den Bahamas gemanaged und es war ein offenes Geheimnis, dass er für die US Regierung alle möglichen Deals regelte. Ob er selbst bei der CIA war, wurde nie ausgesprochen, aber er handelte zuweilen mit Sicherheit in deren Interesse. In der Zeit kämpften die UdSSR und die USA um die Vorherrschaft in der Region und die westlichen Geheimdienste hatten Mubutu in Zaire installiert. Mehr dazu findet man zb. in dieser wissenschaftlichen Publikation von 1979: https://www.jstor.org/stable/2149851?seq=1 . Als Mubutu dringend auf sein neu gegründetes Zaire aufmerksam machen wollte, kam Fred auf die Idee mit dem Boxkampf. Er war nie Box Promotor, meines Wissens nach war er bei dem Kampf auch gar nicht anwesend, sondern mit meinem Vater in der Bar vom Intercontinental Hotel in Kinshasa, wo sie sich auch kennengelernt hatten. Wie auch immer, die OTRAG nach Zaire zu bringen war eine Idee die ihm angetragen wurde, vermutlich weil es den Angolanern Angst machen sollte und die in Gründung befindliche ESA schwächen. Fred regelte das mit der Regierung und blieb auch später noch mit OTRAG in enger Verbindung. Ich meine mich wage zu erinnern, dass er auch an der Verlegung nach Libyen beteiligt war – aus ähnlichen Gründen. Jedenfalls kann ich mich an Gespräche über die Steuersparmöglichkeiten erinnern. Fred setze sich in den 90ern zur Ruhe und lebte ein ausgesprochen angenehmes Leben in seiner Villa in St. Paul de Vence, bis er seine letzten Jahre in Nordfrankreich verbrachte – tatsächlich aus Liebe. Ich habe sehr schöne Erinnerungen an ihn, ein großer Mann mit einem großen Lachen und sehr viel Freude am Leben der meinen braven alten Herrn oft aus der Reserve lockte. Er sprach übrigens fließend Deutsch als Sohn Deutscher Einwanderer und organisierte auch, dass Giesecke und Devrient die riesigen Geldscheine für Zaire in Gmund am Tegernsee druckte, die dann von Corps Diplomatique-Mercedes 500 aus Brüssel abgeholt wurden. Die Scheine waren die Druckkosten nicht wert, aber Mubutu musste die größten und schönsten Geldscheine Afrikas haben – und Fred besorgte sie ihm – in Bayern.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Seit über zehn Jahren erzählen sich die Historiker Daniel Meßner und Richard Hemmer Woche für Woche gegenseitig eine Geschichte aus der Geschichte. Das Besondere daran: der eine weiß nie, was der andere ihm erzählen wird. Dabei geht es um vergessene Ereignisse, außergewöhnliche Persönlichkeiten und überraschende Zusammenhänge der Geschichte aus allen Epochen.

Ein Spiel!
Spiel Cover
Zum Shop
Ein Buch!
Buch Cover
Zu Piper

Mehr Podcasts

Buch Cover