GAG546: Sarah Biffin, Miniaturmalerin

Wir springen in dieser Folge ins England des frühen 19. Jahrhunderts. Hier entwickelt sich Sarah Biffin zu einer der bekanntesten Miniaturmalerinnen ihrer Zeit. Außergewöhnlich ist das nicht nur, weil sie sich als Frau in der britischen Kunstwelt behauptet, sondern auch, weil sie ohne Arme und Beine zur Welt kam.

Wir sprechen darüber, wie Sarah Biffin vom Jahrmarkt in die Ateliers und Salons aufstieg, warum ihre Miniaturporträts so viele Menschen beeindruckten und was ihre Geschichte über Talent, Ausdauer und gesellschaftliche Grenzen im 19. Jahrhundert erzählt.

Erwähnte Episoden

Literatur

  • Joshua, Essaka: Physical Disability in British Romantic Literature. Cambridge: Cambridge University Press, 2020.

  • Lipscomb, Suzannah / Carr, Helen (Hrsg.): What Is History, Now? London: Weidenfeld & Nicolson, 2021.

  • Natale, Simone: Supernatural Entertainments: Victorian Spiritualism and the Rise of Modern Media Culture. University Park: Penn State University Press, 2016.

  • Rutherford, Emma / Shushan, Elle (Hrsg.): Without Hands: The Art of Sarah Biffin. London: Philip Mould & Company / Paul Holberton Publishing, 2022.

  • Stoddard Holmes, Martha: Physical Disability in Victorian Culture. Ann Arbor: The University of Michigan Press, 2004.


Das Folgenbild zeigt das in der Einleitung erwähnte Selbstporträt.

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8 Replies to “GAG546: Sarah Biffin, Miniaturmalerin”

  1. Stefan Fleischer

    Wieder mal eine sehr interessante Folge. In die Liste der Bezugsfolgen könnte man auch noch GAG188: Martin Couney und die Inkubator-Ausstellungen mit aufnehmen.

    • Richard

      Das kann ich tatsächlich sehr genau erklären. Ursprünglich hatte ich dort das Wort Patronage, das im Englischen für diese Art der Unterstützung verwendet wird. Allerdings wurde ich von unserer immer wachsamen Cutterin darauf aufmerksam gemacht, dass Patronage im Deutschen eine negative Konnotation hat, und mehr in Richtung Vetternwirtschaft geht. Hab daraufhin den ganzen Absatz neu eingesprochen.

  2. Mathias

    Richard, diesmal ein Lob! Obwohl mich das Thema nicht direkt angesprungen hat, fand ich es brillant aufbereitet und erzählt. Die Story floss dahin und die Quellen waren perfekt eingebunden. Hat wirklich Spaß gemacht zuzuhören.
    Und es war wieder einmal ein echtes Nischenthema! Weiter so!

  3. Julia

    Ich gebe zu, dass mich das Thema jetzt erstmal nicht so angesprochen hat. Aber tatsächlich ist die Geschichte so frisch erzählt, dass ich ganz begeistert bin! Man merkt, wie wichtig dir war, dich vom „Freakshow-Narrativ“ abzugrenzen. Vielen Dank, tolle Folge!

  4. Peter

    In Minute 23 wurde als Währungseinheit der „Guinee“ genannt. Unklar blieb die Umrechnung auf andere damals gebräuchliche britische Münzen. Ich zitiere nachfolgend ausschnittsweise aus dem entsprechenden Wikipedia Artikel: Dabei handelte es sich um eine von 1663 bis 1816 in Umlauf befindliche britische Goldmünze. Ursprünglich betrug ihr Nennwert 20 britische Schilling, also ein Pfund Sterling (der Silberwährung).
    (Zur Erinnerung: Vor der Umstellung auf das dezimale System 1971/72 gab es Penny, Shilling und Pfund. 12 Penny ergaben 1 Shilling, 20 Shilling ein Pfund, d.h. 240 Pennies. Dies Einteilung ging auf die karolingische Zeit zurück. Ursprünglich ergab das Gewicht von 240 Silberpennies genau ein karolingisches Pfund Silber (ca. 406.5 g).)
    Der Wert des Guinee schwankte mit dem Verhältnis von Silber- und Goldpreis. Ab 1717 wurde der Wert des Guinee auf 21 Shilling festgelegt. Mit diesem Wert von 1,05 GBP ist die Guinee bis heute als Rechnungseinheit in Gebrauch. Die Goldmünze wurde zum letzten Mal 1813 für Wellingtons Armee auf der Iberischen Halbinsel geprägt, weil die dortige Bevölkerung nur Gold akzeptierte.
    Dieser Feldzug wurde in einem völlig anderen Zusammenhang in GAG540 „Schwarze Kammern und die Grosse Chiffre“ erwähnt.
    In Großbritannien blieben die Goldmünzen bis zur Münzreform von 1816 im Umlauf, danach wurde sie vom Sovereign abgelöst.
    Da die Guinee einen aristokratischen Nimbus hatte, wurden und werden weiterhin viele Waren des gehobenen Bedarfs in Guinee ausgepreist. Im Auktionshandel (z. B. Antiquitäten, Kunstwerke und Sportpferde) wird heute noch oft in Guinees abgerechnet. Üblich ist dabei, dass der Käufer den Zuschlagpreis in Guinees (gerechnet als 1,05 Pfund, siehe oben) bezahlt, der Verkäufer aber nur denselben Betrag an Pfund ausgezahlt erhält; dies entspricht einem Agio des Auktionators in Höhe von fünf Prozent.
    Kein Wunder also, dass die Miniaturen von Sarah Biffin in Guinee gehandelt wurden.

    • Stefanie

      Danke für die Aufklärung! Der Wert des Guinee hat mich immer interessiert, aber ich war ausnahmsweise zu bequem, selbst nachzuschlagen.

  5. Peter

    Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zeigten vom 31.10.2024 bis 3.3.2025 im Rahmen der Kabinettausstellung „Bewundert, gesammelt, ausgestellt. Behinderung in der Kunst des Barock und der Gegenwart“ Geschichten von Menschen mit Behinderungen, die aufgrund ihrer Fähigkeiten, ihrer körperlichen Merkmale oder ihrer Stellung bei Hofe Eingang in die Sammlungsgeschichte gefunden haben.
    Eines der Leitobjekte der Kabinettausstellung war das Gemälde des Thomas Schweicker, der im ausgehenden 16. Jahrhundert überregionale Berühmtheit als Fußkünstler erlangte und dessen Portrait in der kursächsischen Kunstkammer ausgestellt war.

    Aus dem ihm gewidmeten Wikipedia Artikel:
    Thomas Schweicker wurde 1541 in der Reichsstadt Schwäbisch Hall als Sohn des Bäckers und Ratsherren Hans Schweicker und dessen Ehefrau Dorothee geboren. Vermutlich aufgrund einer sogenannten amniotischen Abschnürung fehlten ihm beide Arme (Amelie). Trotz seiner Behinderung besuchte er ab einem Alter von sieben Jahren die Schule und wechselte als Zwölfjähriger auf die Schwäbisch Haller Lateinschule. Er war nicht nur in der Lage, selbstständig alltägliche Verrichtungen, wie An- und Auskleiden oder Essen und Trinken, auszuführen, sondern er lernte auch, mit den Zehen seines rechten Fußes einen Federkiel zu halten und zu schreiben.

    Er lebte im Hause seines Bruders David Schweicker auf dem Rosenbühl, wo heute eine Gedenktafel an ihn erinnert. Seine Fähigkeiten als Kalligraph (Schönschreiber) entwickelte er so weit, dass er damit nicht nur seinen Lebensunterhalt verdienen konnte, sondern zu einer Berühmtheit wurde. Abbildungen Schweickers sind in zahlreichen Veröffentlichungen und Flugschriften seiner Zeit wiedergegeben. Viele Besucher kamen nach Schwäbisch Hall, um ihn zu sehen und von ihm verfasste Schriftstücke zu erwerben. Zu ihnen gehörte auch Kaiser Maximilian II., der 1570 die Stadt besuchte und sich Schweickers Kunst vorführen ließ. Der Kaiser zeigte sich beeindruckt und überreichte ihm „selbst persönlich mit aigner Handt“ drei Doppeldukaten. 1584 ließ ihn der Kaiser nach Heidelberg holen, damit er vor dem dort versammelten Hofstaat seine Kunst zeige; Schweicker blieb bis 1598 in Heidelberg, wo er vor allem als Maler tätig war. Zum Dank erhielt er unter anderem einen kaiserlichen Wappenbrief. Schweicker, den man als „großen Wundermann von Schwäbisch Hall“ bezeichnete, blieb ehelos und starb am 7. Oktober 1602 im Alter von 61 Jahren.

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Seit über zehn Jahren erzählen sich die Historiker Daniel Meßner und Richard Hemmer Woche für Woche gegenseitig eine Geschichte aus der Geschichte. Das Besondere daran: der eine weiß nie, was der andere ihm erzählen wird. Dabei geht es um vergessene Ereignisse, außergewöhnliche Persönlichkeiten und überraschende Zusammenhänge der Geschichte aus allen Epochen.

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