GAG352: Wallace und das Rennen um die Evolutionstheorie

Anfang 1858 hatte der Naturforscher Alfred Russel Wallace während einer Expedition auf einer Molukkeninsel im Fieberwahn einen genialen Einfall: Seit vielen Jahren dachte er darüber nach, wie es wohl dazu kommt, dass sich die Arten im Laufe der Zeit verändern. Welcher Mechanismus steckt dahinter, was treibt die Evolution an?

Drei Tage lang schrieb Wallace seine Gedanken nieder und schickte das Manuskript schließlich mit dem nächsten Postdampfer nach Europa zu Charles Darwin. Und der ist erstmal geschockt. Seit Jahren Jahren hatte er die Lösung der Frage bereits in der Schublade liegen und nun kam ihm jemand zuvor?

Wir sprechen in der Folge darüber, wie es dazu kam, dass die Evolutionstheorie ein zweites Mal entdeckt wurde und warum wir sie heute fast nur noch mit Charles Darwin verbinden.

Das in der Folge erwähnte Buch heißt „Am Ende des Archipels“ von Matthias Glaubrecht.

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16 Replies to “GAG352: Wallace und das Rennen um die Evolutionstheorie”

  1. Karmen

    Ich wunderte mich zwei Sekunden lang ob es wirklich wahr sein kann, daß Koro jetzt auch Autos verkauft. 😂

    Frage an die Fangemeinde, die anscheinend sehr gebildet ist: ich las vor vielen Jahren die „Nachtwachen“ von Buonaventura (zugeschrieben August Klingemann). Diese sind laut Klappentext 1804 das erste Mal erschienen. In der achten Nachtwache wird von Doktor Darwin und dessen Theorie von der Abstammung der menschlichen Spezies von „einer Affenart der mittelländischen Meere“ erzählt. Merkwürdig.
    Ich finde keinen Hinweis darauf, wieso schon 1804/1805 Darwins Überlegungen oder gar Schriften bekannt gewesen sein sollten. Was sagen die Germanist:innen? Danke für jeden Hinweis.

      • Karmen

        Hallo Thomas R, danke. Trotzdem wundert mich der Verweis auf die Evolutionstheorie, die stammt ja nicht vom Vater von Charles Darwin. Vielleicht sind die „Nachtwachen“ später entstanden als angegeben?

        • Thomas R

          Hallo Karmen, Laut Wikipedia hat sich Erasmus Darwin (1731-1802) auch schon Gedanken über mögliche Stammbäume gemacht. Hinter Buonaventura könnte auch Friedrich Wilhelm Joseph Schelling stehen. Als Naturphilosoph hat er sich auch sehr viel mit Abstammung beschäftigt. Damals konnten sich die Gelehrten gut untereinander studieren, da alle auf Latein publizierten. Schelling hatte auch großen Einfluss auf Lorenz Oken, dem damals wahnsinnig bekannten und berüchtigten Biologen und Hochschullehrer. Oken hat seine Wirbeltheorie veröffentlicht und damit Goethe getroffen. (Die Schädelknochen des Menschen entstehen aus verwandelten Wirbelknochen). Goethe hats früher erkannt, aber nicht publiziert. Oken hats später erkannt und publiziert. Lief viel unfreundlicher ab als bei Wallace und Darwin. Aus heutiger Sicht sagt übrigens Prof. Madeleine Böhme, dass unsere Vorfahren noch vor Afrika in Europa heimisch waren. Stichwort : El Graeco, Danuvius Guggenmoosi(vor 11-7mio. Jahren). Aus damaliger Sicht war die Mittelmeerregion wohl interessant, weil es dort eine größere Artenfülle gab. Und eine Verehrung alles griechischen war sicher auch förderlich für die Aussage „Abstammung von einer Affenart der mittelländischen Meere“.

          • Karmen

            Hallo Thomas, herzlichen Dank für die ausführliche Antwort mit weiterführenden Informationen! 🙂

  2. Arabella Fenske

    Sehr spannende Folge! Love it 😄

    Eine Frage aus Neugierde:
    747 Aufsätze aus „Wallace produktier Zeit“… gibt es Hinweise / Querverweise zu weiteren bekannten Theorien, die Wallace hätte unabhängig begründet haben können?

    Macht weiter so.
    Viele Grüße, Arabella

  3. P. Paul

    Super Folge, spannend erzählt, Daniel! Ich war, zu meiner Schande, bislang stets der Ansicht (gefährliches Halbwissen), dass Wallace ein Mitarbeiter Darwin’s gewesen wäre…Somit hab ich wieder was Neues gelernt und eine spannende Geschichte erzählt bekommen in Einem. Danke, bitte mehr davon!

  4. Thomas R

    1816 haben die Mammuts den Württembergischen König Friedrich I. ins Grab gebracht. In Bad Cannstatt, bei Stuttgart hat man aufgestapelte Mammutstosszähne und Zähne gefunden. Laut Bibel schuf Gott zuerst die Tiere und erst als letztes den Menschen. Ein Biologe, Friedrich Kielmeyer hat seinem Klassenkameraden, dem berühmten, Gorges Cuvier vom Fund berichtet. (Cuvier wurde im württembergischen Mömpelgard, heute Montbéliard, geboren. Daher konnte er in Stuttgart auf die Hohe Carl Schule, wie auch der Friedrich Schiller). Cuvier war also in Cannstatt und sagte, dass das keine Elefantenrelikte sind. Friedrich I. wollte das untersuchen lassen, holte sich in der feuchten Grube aber den Tod. War 61 Jahre alt und sehr korpulent. Die Strafgefangenen, die die Ausgrabung gemacht haben hatten sich mehr bewegt und sind nicht so ausgekühlt. Danach kamen Wilhelm I. und Katharina auf den Thron. Katharina brachte als Zarentochter viel Geld mit, dass man im Jahr ohne Sommer bitter gebraucht hat.

  5. Jann

    Bei der Frage, wie es sein, dass Darwin und Wallace zur gleichen Zeit auf die gleiche Erkenntnis gekommen sind, muss man wohl auch Paläontologie und Geologie nennen. Skelette von ausgestorbenen Tieren wurden erstmals systematisch untersucht und die Geologen hatten so einigermaßen etabliert, dass die Erde sehr alt ist. Erst dadurch war es vorstellbar geworden, dass die minimalen Unterschiede in jeder Generation ausreichen, den Unterschied zwischen Blaualgen und Blauwalen zu erklären.

  6. Alex

    Sehr interessante Folge und spannend erzählt! 😀

    Einen anderen Unterstützer bzw. Verteidiger von Darwins Evolutionstheorie könnte man noch nennen: Thomas Henry Huxley (falls ich das überhört habe in der Folge). Er hat nach seinem Tod den schönen Spitznamen „Darwin’s Bulldog“ erhalten. Und mit so einem Namen hat man gute Chancen lange in Erinnerung zu bleiben 🙂

    Zu Darwin gibt es übrigens auch ein 4-teiliges Special von BBC In Our Time (https://www.bbc.co.uk/sounds/series/b00g9zb3).

  7. Malte

    Oh eine Folge zu Alfred R. Wallace und dann noch so gut gelungen, vielen Dank!
    Als vertiefende Literatur zur Biografie von Alfred R. Wallace empfehle ich noch „Der Gesang des Dodo“ von David Quammen. Es lohnt sich auf jeden Fall, das Lebenswerk von Wallace auch mal unabhängig von Darwin zu betrachten.

  8. tschervanky

    Vor einigen Jahren habe ich im (nicht mehr existierenden) Podcast der Zeitschrift GEO eine Folge über eine französische Expedition gehört, die um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert stattfand. Aus den gesammelten Pflanzen und Tieren hätte man, wenn man diese Sammlung systematisch durchgegangen wäre, auch die Evolutionstheorie ableiten können. Leider weis ich nicht mehr, wer diese Expedition veranstaltet hat.

    Vielen Dank für eure Arbeit an diesem sehr guten Geschichtspodcast!

  9. Patrick

    GAG 352 eine sehr spannende Geschichte, danke Daniel! Ich kannte sie nicht so im Detail und war kurz schockiert als das Schiff sank mit so vielen Jahren Arbeit von Wallace!

  10. Carina

    Super interessante Folge! Ich habe eine Verständnisfrage: Wenn Darwin, wie Daniel sagt, aus Schock tagelang nicht in sein Tagebuch geschrieben hat, kann man dann nicht daraus schließen, wann er die Post von Wallace bekommen hat? Oder kann man einfach nur nicht sagen, ob Darwins Änderungen/Ergänzungen vor oder nach seiner Tagebuchschreibblockade stattgefunden haben?

  11. Thomas R

    Hallo Carina, Darwin hatte lange Krankheitsphasen. Wie es aussieht hat er sein ganzes Leben damit verbracht seine Schiffsreise zu verkraften. Man könnte seine Tagebucheinträge mit seinen Krankheitswochen abgleichen.

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Seit sechs Jahren erzählen sich die Historiker Daniel Meßner und Richard Hemmer Woche für Woche eine Geschichte aus der Geschichte. Das Besondere daran: der eine weiß nie, was der andere ihm erzählen wird. Dabei geht es um vergessene Ereignisse, außergewöhnliche Persönlichkeiten und überraschende Zusammenhänge der Geschichte aus allen Epochen.

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