GAG343: Phoebus und die geplante Obsoleszenz

Wir springen in dieser Folge ins frühe 20. Jahrhundert, genauer an den 24.12. des Jahres 1924. An diesem Weihnachtsabend treffen Vertreter der größten Glühbirnenhersteller weltweit zusammen, um etwas zu gründen, das sie Phoebus nennen werden. Obwohl der Zusammenschluss nicht länger als 15 Jahre halten wird, werden dessen Folgen noch lange anhalten.

Wir werden über diese Folgen, aber auch über das Prinzip, dem die Machenschaften des Kartells zugrunde liegen, sprechen: die geplante Obsoleszenz.

Literatur

Markus Krajewski hat zum Beispiel hier über Phoebus geschrieben: https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/0040-117X-2014-1-91/fehler-planungen-zur-geschichte-und-theorie-der-industriellen-obsoleszenz-volume-81-2014-issue-1

Und Christian Kreiß hat ein ganzes Buch zur geplanten Obsoleszenz veröffentlicht. Es heißt: „Geplanter Verschleiß“ und ist 2014 im Europa Verlag erschienen.

Im Episodenbild ist eine Glühbirne aus dem Jahr 1883 zu sehen.

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16 Replies to “GAG343: Phoebus und die geplante Obsoleszenz”

  1. Simon Weber

    Hallo ihr beiden,

    Ihr seid überragend. Ich habe einen interessanten Vorschlag für eine Folge.

    Eine kleine Geschichte über den Pranger.

    Weis gar nicht ob ihr das schon gemacht habt.

    Viele Grüße
    Simon aus Neuhausen

    • Heinz

      Hallo, gibt es nicht auch eine technische Obsolezenz, die durch die permanente Weiterentwicklung insbesondere in der IT dafür sorgt, dass „alte“ Geräte mit neuen Softwareversion nicht mehr kompatibel sind und ausgetauscht werden müssen?

      • Oliver

        Hallo, schöne Geschichte, aber das habe ich mich auch gefragt, am Beispiel Mobiltelefon. Software und Hardware verlangen gegenseitig eine ständige Erneuerung. Alle Hersteller profitieren davon. Ob das für den Nutzer immer ein Vorteil ist, ist die Frage.
        Immerhin weiss ich jetzt, das Obsoleszens keine reine Verschwörungstheorie ist. Danke.

  2. Gerhard Piezinger

    Leider habt ihr den großen positiven Effekt der Phoebus-Absprache nicht erwähnt: Die Effizienz der Lichtausbeute pro Watt. Natürlich könnte man weiter 100jährige Glühlampen bauen, die würden aber wie die Centenniel-Birne bei relativ hohem Stromverbrauch nur schwach vor sich hinfunzeln. Ich sehe slso die Absprache durchaus auch als Kompromiss zwischen Langlebigkeit und Wirkungsgrad.

  3. Gabrielle

    Hallo ihr 2, super Folge. Ich dachte auch, dass es diese Obsoleszenz gibt, tatsächlich hatte ich aber keine Ahnung von diesen frühen Entwicklungen. Danke für die erhellende Sicht, nu seh ich auch ohne Glühbirne klarer. Übrigens find ich die retro schön, so wie’s eben mit den alten Dingen oft ist. VG Gabrielle

  4. Jan

    Eine fantastische Folge ihr beiden!
    Zu den Lebensdauern der LED-Leuchtmittel gibt es sooooo viel zu sagen.

    Die wird auch im Labor unter Laborbedingungen ermittelt und es kommen noch ganz viele Faktoren dazu:

    – Wärmeentwicklung: hier ist der Suchbegriff für interessierte “thermal derating”. LEDs werden ja immer als so effizient bezeichnet, erzeugen aber auch große Mengen Abwärme, die die LEDs sehr viel schneller altern lässt als wenn sie gut gekühlt wird (https://www.mouser.de/applications/lighting-derating/). Ergo: schlechte Wärmeabfuhr: LEDs schnell kaputt

    – Wärmeentwicklung 2: Es ist immer eine Vorschaltelektronik verbaut. Dort sind immer Kondensatoren verbaut, auch diese leiden extrem unter höherer Temperatur. In den üblichen Kunststoff-Sockeln von E27 Birnen werden die die Wärme aber nicht los, im Gegenteil: die Fassung staut sie zusätzlich.

    – kreative Reihen/Parallelschaltung. Fällt eine LED aus, fallen oft die ganzen Leuchtmittel aus. Bei höhreren Spannungen lohnt es sich mehr LEDs in Reihe zu schalten: weniger Spannungsabfall, aber eben der Nachteil: eine stirbt, alle anderen im Zweig machen den Lemming…

    – Überstromung der LEDs: einige Hersteller holen viel mehr Licht aus den LEDs raus, als es sinnvoll ist (wieder: mehr Strom = mehr Wärmeentwicklung). Damit können sie bei weniger Ressourcen (weniger LEDs kaufen und verbauen) mehr Lichtausbeute erzeugen = mehr Wärme = schneller kaputt.

    – Anzahl der erlaubten Schaltzyklen

    … the list goes on

    Viele liebe Grüße,
    ein Stammhörer seit einigen Jahren 🙂

  5. Martin

    Hallo,

    ihr habt in der Folge darüber gesprochen, das es eventuell schwierig war zu wissen, wann die Glühbirne defekt wird. Dazu braucht es keine photosensitive Sensoren oder ähnliches. Sobald der Draht durchbrennt, wird ist ja der Stromkreis nicht mehr geschlossen und es wird auch keine Spannung mehr verbraucht. Daher reicht eine simple Schaltung die Prüft ob der Stromkreis geschlossen ist oder ein Stromzähler.

    Liebe Grüße us am Ländle
    Martin

  6. Dirk

    Das Phoebus-Kartell wird bereits in Thomas Pynchons Roman “Gravity’s Rainbow” (dt. “Die Enden der Parabel”) von 1973 thematisiert. Darin taucht “Byron, the Bulb” auf, eine Glühbirne, die schon “ewig” brennt und die sich deshalb verstecken muss, sicher eine Anspielung auf die Glühbirne, die mittlerweile schon seit über 100 Jahren brennt.

  7. MeinMeister

    Hallo ihr beiden.
    Danke für diese wieder sehr interessante Geschichte. Schade, dass so Entscheidungen von Firmen getroffen werden.

    Ein kleiner Hinweis zu den LEDs: sie sind zwar praktisch weil der Verbrauch so gering und die Einsatzzwecke so vielfältig sind, allerdings werden viele Lampen mit fest insatallierten LEDs verkauft. Das heißt wenn diese dann irgendwann doch mal kaputt gehen, muss man die gesamte Lampe entsorgen..

    Das ist natürlich dem geschuldet, dass die Designs damit vielfältiger sein können. Die Lampe ist auch nicht bei einer kaputten LED schon komplett unbrauchbar, aber ewig hält das natürlich nicht..

  8. Heiko Trautwein

    Dass Produkte kurz nach dem Ende der Gewährleistung kaputt gehen, ist auch uns Verbrauchern geschuldet. Langlebigkeit oder leichte Wartbarkeit sind keine Verkaufsargumente.

    Der Hersteller hat keinen Anreiz, ein Produkt herzustellen, das länger als die Gewährleistung durchhält, wenn das auch nur einen Cent mehr kostet. Denn die meisten Verbraucher treffen ihre Entscheidung hauptsächlich über den Kaufpreis. Selbst bei hochpreisigen Produkten, wie Autos, interessieren sich die wenigsten Kunden für Folgekosten, wie Reparaturen, oder die Lebensdauer.

    Es braucht also nicht nur Hersteller, die solche Produkte herstellen, sondern auch Kunden, die bereit sind, dafür einen höheren Preis (in der Anschaffung) zu bezahlen.

    Viele Grüße
    Heiko

  9. Robert

    Hallo Simon,
    Zitat aus dem üblichen Sendungsbeginn, „Wir sind zwei Historiker die sich gegenseitig eine Geschichte aus der Geschichte erzählen, von den der eine nicht weiß was der andere erzählen wird.“

    Ich glaube daher, dass ein Vorschlag an dieser Stelle den Vorschlag selbst verbrannt hat.

    Gruß Robert

  10. Kaligule

    Danke fuer die tolle Folge.

    Gegen Ende sagt ihr, dass es ja eigentlich nur Zeitzonendifferenzen geben kann, die sich als ganze Stunden ausdruecken lassen. Das ist so falsch, dass es eine eigene Folge verdient.

    Nicht nur gibt es Zeitzohnen, die um 30 oder 15 minuten von der UTC abweichen. Nein, die Zeitzohnen aendern sich auch staendig. Und sind nicht leicht vorhersehbar. Und es gibt Ausnahmen. Viele Ausnahmen.

    Die einzige Regel, die immer gilt ist: Immer wenn du glaubst, du hast jetzt alle Zeitzonen verstanden, dann liegst du falsch.

    Hier ist eine Mailingliste, in der sehr viele Experten wirklich sehr stark versuchen, die Zeitzohnen und ihre veraenderungen richtig zu modellieren. Seit 1986!

    Eine schoene Zusammenfassung gibt es von Tom Scott – kurzweilige 10 Minuten Vortrag, die euch das Ausmass des ganzen Wahnsinn erahnen lassen: https://www.youtube.com/watch?v=-5wpm-gesOY

    Falls ihr mehr darueber wissen wollt, schreibt mich gerne an. Oder fragt irgendeinen Programmierer, den ihr kennt.

  11. Dan Richter

    Vielen Dank für diese Folge.
    Es gäbe anzumerken, dass Glühlampen in den Ostblock-Staaten meist langlebiger waren, was aus deren Systemperspektive auch sinnvoll war, da es galt, hohen Konsum zu vermeiden.
    Die Narva-Lampen (DDR) hatten im Schnitt eine Lebensdauer von 1.500 Stunden. Das Modell “Resista” sogar 2.500 Stunden.

  12. Sebastian

    Hallo Richard,
    zunächst ein Dankeschön für die interessante Folge!

    Am Ende sprecht ihr ja noch über die Langlebigkeit von Produkten und etwaige Obsoleszenzen und überlegt, ob Produkte früher länger gehalten haben als heute.
    Da musste ich an Folgendes denken:
    Wenn etwas kaputtgeht, sagen meine Eltern oft, dass viele Produkte in der DDR früher länger gehalten haben. Und tatsächlich haben Sie noch sehr viele Gebrauchsgegenstände, die sie zu Ihrer Hochzeit (!) geschenkt bekommen haben und die ist fast 40 Jahre her. Das gilt sogar für elektrische Geräte.
    Ich weiß nicht, ob das wirklich an der DDR-Produktion lag oder in der BRD zu der Zeit genauso war. Allerdings passt dies zu dem vorgehenden Kommentar von Dan zur Langlebigkeit der Ostblock-Glühbirnen und dem Ziel, hohen Konsum zu vermeiden. Aus der Perspektive scheint der Eindruck nachvollziehbar, dass es heute mehr technische Obsoleszenzen gibt als früher in der DDR. Hast du zufällig was in deinen Recherchen entdeckt?

    Viele Grüße
    Sebastian

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Seit sechs Jahren erzählen sich die Historiker Daniel Meßner und Richard Hemmer Woche für Woche eine Geschichte aus der Geschichte. Das Besondere daran: der eine weiß nie, was der andere ihm erzählen wird. Dabei geht es um vergessene Ereignisse, außergewöhnliche Persönlichkeiten und überraschende Zusammenhänge der Geschichte aus allen Epochen.

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