GAG330: Zum Tode verurteilt – Catharina Linck alias Anastasius Lagrantinus Rosenstengel


Wir sprechen in der Folge über das außergewöhnliche Leben der Catharina Linck alias Anastasius Lagrantinus Rosenstengel im 18. Jahrhundert. Sie ist nicht nur die letzte Frau, die in Europa wegen »Unzucht mit einem Weybe« hingerichtet wurde: Sie lebte als Prophet, diente als Soldat in diversen Truppen, wurde viermal getauft, heiratete zweimal dieselbe Frau und schließlich sorgte der preußische König Friedrich Wilhelm I. persönlich für ihr Todesurteil.

Das in der Folge erwähnte Buch ist von Angela Steidele und es heißt: „In Männerkleidern: Das verwegene Leben der Catharina Margaretha Linck alias Anastasius Lagrantinus Rosenstengel“.

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23 Replies to “GAG330: Zum Tode verurteilt – Catharina Linck alias Anastasius Lagrantinus Rosenstengel”

  1. Alexandra

    Interessante Geschichte – habe ebenso noch nie etwas über die Frau gehört.

    Ich fand’s erstaunlich, dass sie es geschafft hatte überhaupt als Soldat durchzukommen, betreffend auf die Frauenstimme (Frauenstimmen klingen ja heller als die von Männern) und die Merkmale einer Frau – obwohl Jeanne d’Arc hats ja auch ebenfalls geschafft sich in eine Rüstung kleiden.
    Interessant auch das ebenso weitere ausgestorbene Berufe genannt wurden.

  2. Stefan

    Sehr schöne Folge!
    Ich habe auch während der Folge über die Frage „trans-gender, lesbisch oder einfach nur Freiheitsliebe?“ nachgedacht, und fand entsprechend die Diskussion und Einschätzung am Ende sehr sehr gut. Ein absoluter Mehrwert für den ich gerne GAG höre! Dazu die gewohnte Stärke, dass Folter und Hinrichtung nicht im Vordergrund stehen, sondern vielmehr das Gefühl dafür, wie eine andere Zeit „funktioniert“ hat. Und da ist die Geschichte absolut hörenswert!

  3. Karoline

    Schwer vorstellbar, dass jemand in Zeiten vor GeschlechtsOPS in einer geschlechlichen Beziehung nicht erkennt, dass der Ehe-Mann organisch eine Frau ist? Es geht auch mit umgekehrten Vorzeichen: die Geschichte von Bernard Boursicot – der Franzose hat in den 1970er (!) Jahren einem Chinesen geglaubt, dass dieser eine Frau wäre und ihm einen Sohn geboren hätte – Boursicot hat deshalb für China spioniert. Gutes Buch dazu: Joyce Wadler, „Liaison – Die unglaubliche Affäre des M. Butterfly“ – verfilmt von David Cronenberg mit Jeremy Irons, großartig!

  4. Lisa

    Ich hatte bei der Folge einen Aha-Moment bezüglich des Begriffs der Sodomie. Als ich die Serie „Gentleman Jack“ gesehen habe, die auf dem Leben von Anne Lister im 19. Jhd. basiert (sehr zu empfehlen!), wird von der Protagonistin erwähnt, dass homosexuelle Männer verfolgt und gehängt werden, homosexuelle Frauen hingegen nicht. Warum das so ist, habe ich nicht verstanden, doch es muss daran liegen, dass Frauen nach der damaligen Logik keine Sodomie begehen können. Zumindest erscheint mir das so nun plausibel.

  5. Georg

    Moin,
    danke für auch diese tolle Folge. Meinte zuerst ein Déjà-vu zu haben, denn ich hatte WDR-Zeitzeichen am 8.11.2021 gehört, wo es 15 Min. anlässlich seines Todestages gab (https://www1.wdr.de/mediathek/audio/zeitzeichen/audio-catharina-linck-wird-enthauptet-am–100.html). Zu Angela Steidele gibt es beim WDR dann auch noch mehr (https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeichen-und-wunder/angela-steidele-106.html). Ich danke aber vor allem auch noch einmal für die Infos zur Strafbarkeit von „Sodomie“, bei der Beschäftigung mit der Geschichte von Paragraf 175§ fällt ja auch auf, dass Sex zwischen Frauen nicht unter Strafe stand, wobei in der Nazi-Zeit lesbische Frauen direkt ins Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück eingewiesen wurden.

    • Nicolas

      (Hoffe man darf hier antworen auch wenn man nicht Daniel oder Richard ist :)):

      Mischung aus Strafanstalt und Arbeitshaus (mussten da i. d. R. Spinnarbeiten verrichten) für alle Frauen die von der Straße mussten / sich eine Straftat zu schulden haben kommen lassen / nicht für sich selber sorgen konnten. Idee kam aus Holland und breitete sich dann aus.

      Grundgedanke war wohl eher Sozialisierung (durch Arbeit) als Strafe. Von daher ein Fortschritt, wenn auch wahrscheinlich nicht immer in diesem Geiste gelebt.

  6. Sarah

    Die Marketenderin gibt es auch heute noch im traditionellen Sinn. Bei uns in der Oststeiermark sind das meist junge Frauen welche die Blasmusikkapelle bei offiziellen Auftritten begleiten um sie mit Getränken zu „versorgen“. Bzw eigentlich bewirten sie die Besucher mit Schnaps oder Likör und erhalten dafür eine Spende. Zu diesem Zweck tragen sie ein kleines Fässchen und Schnapsgläser seitlich mit sich – ähnlich eines Buchladens.
    Liebe Grüße

  7. Christian

    Wieder eine interessante Folge.

    Sehr gut fand ich Euren Hinweis, dass man nicht mit der Perspektive heutige Debatten und heutigem Denken auf die damalige Zeit blicken und vieles hineininterpretieren darf. Also Linck bzw Rosenstengel nicht einfach als frühen Transmann und dessen Handeln als „Empowerment“ sehen kann.

    Leider werden zu oft aktuelle Debatten und Perspektiven unreflektiert auf frühere Ereignisse übertragen.

  8. Julius

    Vielen Dank für die tolle Folge!
    Ich würde gern noch einen weiteren Aspekt der Geschichte in den Fokus stellen: Die Frankischen Stiftungen in Halle. Im 18. Jahrhundert gegründet sind diese heute noch Bildungsort mit Kindergärten, Schulen, Universitätsinstituten, Forschungseinrichtungen, usw..
    Zu beachten ist auch, dass Catharina Linck handwerklich arbeiten konnte (was sicherlich in der Zeit ungewöhnlich war), da das Bildungsideal der Frankischen Stiftungen sehr praxisorientiert war, im heutigen Kontext würde man von psychomotorischen Lernzielen sprechen. Dadurch konnten sehr arme SchülerInnen durch diese Art der Bildung Arbeit in den Handwerksbetrieben finden.
    Abschließend ist interessant, dass sogar der Adel ihre Kinder in die Einrichtungen der Stiftungen aufgrund der sehr guten Schulbildung schickten, natürlich seperiert von den armen SchülerInnen.
    Liebe Grüße

    • Tabea

      Ich habe selbst mit meinen Mann einige Jahre in einen christlichen Studentenhaus, Konvikt, im langen Haus der Franckeschen Stiftungen ( beachte die Schreibweise 😉) gewohnt.
      Ihr sagt am Anfang der Folge, dass Glaucha ein Stadtteil von Halle ist. Das ist heute so, er kommt gleich nach der Altstadt. Allerdings war Glaucha zu Franckes Zeiten vor den Stadtmauern gelegen. Und nur vor den Stadtmauern gab es Alkohol und Prostitution. Also nicht gerade das feinste Wohngebiet. (Was sich auch erst in den 2000ern geändert hat. Heute ist es da sehr schick und teuer.)

      Ich habe noch überlegt, ob sie sich in Anlehnung an Franckes besten Freund und Schwiegersohn Johann Anastasius Freylinghausen so genannt hat? Francke hat ihn mit seiner viel jüngeren Tochter vermählt, die er vorsorglich schon Anastasia genannt hat.

      Danke für die schöne Folge mit dem Link zur Schulstadt und Franckes Waisenhaus (das ganz sicher auch mal eine Folge wert wäre 😀)

      Grüße aus Halle!

  9. Mithrandir

    Puh laut Wikipedia wurde die Dame nur 34 Jahre alt. Und das ganze Ehedrama spielte sich auch nur innerhalb von 4 Jahren ab.
    Unglaublich was man in so kurzer Zeit alles erleben kann.
    Danke für die tolle Geschichte

    • Katharina

      Spannende Folge! Ich Frage mich, wie es dazu kam, dass ab einem Zeitpunkt für Frauen die Sodomie nicht mehr strafbar war. Ich interpretiere das so, dass ihre Sexualität grundsätzlich unsichtbar gemacht und verleugnet wurde und bin interessiert, ob jemand weiß, wieso das so gekommen ist

  10. Heike Spitzkopf

    Friedrich Wilhelm I. hat das Todesurteil zum einen rausgezögert und zum anderen um Verschärfung plädiert. Dabei kam mir direkt in den Sinn, das Friedrich Wilhelm I. wohl generell ein „Problem“ mit der Homosexualität hatte. Dies zeigt ja auch der Umgang mit dem damaligen Thronfolger – später Friedrich Wilhelm II. Er hatte ja – zwar nicht nachgewiesenermaßen – aber dennoch sehr wahrscheinlich eine homosexuelle Verbindung zu Katte. Die dann ausgefallene Strafe war ja genauso brutal. Für mich ist Friedrich Wilhelm I. auch aus diesem Grund „Mitschuldig“ am unsinnigen Ende von Catherina Linck. Vielen Dank für Eure Geschichten…..Heike

  11. Jofes

    Wie hat sie es gemacht, dass der fehlende Bartwuchs über die Jahre nicht aufgefallen ist (außer bei der bösen Schwiegermutter natürlich 😉😂)?

  12. Andrea

    Lieber Daniel
    Vielen Dank für die tolle Geschichte! Ich fand auch die Entscheidung, zwischen den Pronomen sie/er zu wechseln, je nachdem wie Catharina/Anastasius von aussen wahrgenommen wurde bzw. Wie sie/er aufgetreten ist, sehr gut und passend.

    Ich wollte noch anmerken, dass der Begriff „transsexuell“ eher veraltet ist und viele Menschen den Begriff „transgender“ vorziehen:
    „(…) der Begriff [transsexuell] wird von manchen trans* Personen stark abgelehnt, da der Begriff aus einem pathologisierenden medizinischen Kontext kommt. Durch die Endung –sexuell kann es außerdem zu Verwechslungen mit Sexualität kommen. Geschlechtsidentität und Sexualität drücken aber unterschiedliche Aspekte aus.“
    Mehr dazu: https://www.trans-inter-beratungsstelle.de/de/begriffserklaerungen.html

  13. Laura

    Danke für diese schöne Geschichte. Freue mich sehr, mal eine Geschichte aus meiner Heimat zu hören, da ich selbst aus der Nähe von Halberstadt komme und in den Franckeschen Stiftungen Pädagogik studiert habe (heute zum Glück eine etwas andere Pädagogik als die von Francke selbst :D).

  14. Viktoria

    Perfektes Timing!! 🙂 Ich möcht im Februar eine Spezialführung im Museum zum Thema „Landsknechte, Soldatendirnen und Zweckbeziehungen“ machen – rund um den Valentinstag; zwecks der „Romantik“ – und werd diese Geschichte auf jeden Fall einbauen! Ich freu mich schon auf die Diskussionen 😀

  15. Hendrik

    Sehr schöne Folge, ich habe mich hier an ein Buch von Terry pratchett erinnert gefühlt, the monstrous Regiment. In diesem geht es um eine Frau, die sich als Mann ausgibt und der Armee beitritt. Nach und nach stellt sich heraus, dass der gesamte Trupp aus Frauen besteht.

  16. Marie

    Hallo, ich möchte noch kurz ein feedback da lassen, wir sind darüber erst vor kurzem in unserem befreiungstheologischen lesekreis gestolpert.
    weibliche homoerotik wird im alten testament nicht erwähnt und auch nicht problematisiert. dies passiert erst bei paulus im neuen testament.
    vielleicht gab es damals den gleichen grund, nämlich, dass sex = ein penis ist involviert bedeutet hat und sich das dann erst nach der zeitenwende ändert, zumindest in diesem kulturkreis…

    männliche homoerotik wird leider sowohl im alten, als auch im neuen testament problematesiert.

    danke für die super spannende geschichte! 🙂

  17. Mona

    Hallo,
    ich höre euch seit einiger Zeit und das sehr gerne, immer wieder mal zwischendrin. Ich mag außerdem eure Kombinationen der Dialekte, das österreichische und leicht bayrische sehr gerne, das ist sehr entspannend.
    Diese Folge hab ich gestern gehört und finde sie thematisch bisher am spannendsten.. Vielen Dank, dass ihr solche Themen und Figuren rauskramt und auch sehr, sehr interessant, dass man über die Figur nur etwas weiß, weil es Gerichtsakten über sie/über ihn gibt. Besonders spannend finde ich auch, dass es nicht genau klar ist, warum sie wie ein Mann gelebt hat, also die persönlichen Beweggründe, oder dass es einfach auch „nur“ sein kann, damit sie /er einfach mehr Möglichkeiten im Leben hat, beruflich gesehen und so weiter…

    Mich hat es außerdem gefreut kurz etwas von Hildesheim zu hören, denn da wohne ich seit zwei Jahren für das Studium Kulturwissenschaften/Kunstgeschichte/Literatur. Das war das erste Mal, dass ich mal etwas aus Hildesheim gehört habe, wenn es um geschichtliches geht, wenn auch nur kurz. Denn München ist meine Heimat und da ist für gewöhnlich so, dass da öfter von die Rede ist.
    Hildesheim hatte ja bis kurz vor Kriegsende eine wunderschöne Altstadt, von der heute immerhin ein wenig etwas übrig ist, daher fand ich die Vorstellung schön, dass Anastasius die Fachwerkhäuser und schönen Straßen wohl dann gesehen hat.

    Deshalb würde es mich sehr interessieren mal von der Geschichte „Die Schlacht von Dinklar“ bei Hildesheim am 3.9.1367 etwas zu hören. Das ist mir über ein Kunstgeschichtsseminar, was ich letztes Jahr mal belegt habe, über den Weg gestolpert und fände es spannend mal darüber etwas zu hören, weil das wohl für das damalige Hochstift Hildesheim sehr entscheidend gewesen ist. Im Prinzip ist auch die Sage um den Rosenstock ganz spannend, da weiß ich aber nicht, wie viel geschichtliche Quellen es dazu gibt.

    liebe Grüße, Mona

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Seit sechs Jahren erzählen sich die Historiker Daniel Meßner und Richard Hemmer Woche für Woche eine Geschichte aus der Geschichte. Das Besondere daran: der eine weiß nie, was der andere ihm erzählen wird. Dabei geht es um vergessene Ereignisse, außergewöhnliche Persönlichkeiten und überraschende Zusammenhänge der Geschichte aus allen Epochen.

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