GAG532: Federn
Eine Geschichte über Hüte, den Vogel Strauß und die vielleicht teuerste Fracht auf der Titanic
Federn gehörten um 1900 zu den teuersten Handelswaren auf dem Weltmarkt. Sie wurden nicht nur für Fächer oder Staubbesen verwendet: Sie zierten vor allem aufwändig gestaltete Damenhüte – mit fatalen Folgen für die Vogelwelt. Strauße und andere Vögel wurden systematisch gejagt und in vielen Gegenden ausgerottet.
Wir sprechen in der Folge über Straußenfedern, eine südafrikanische Straußen-Expedition und eine der ersten Artenschutzbewegungen der Geschichte.
Erwähnte Folgen
- GAG262: Die Strawhat Riots – https://gadg.fm/262
- GAG520: Die Jagd nach dem Großen Panda – https://gadg.fm/520
Literatur
- Thor Hanson: Federn: Ein Wunderwerk der Natur, 2016.
Podcast-Tipp: TULUS – Die Geschichte eines Restaurants (https://podcasts.apple.com/de/podcast/tulus-die-geschichte-eines-restaurants/id1855531361)).
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Eine Frage stellte sich mir beim Anhören rund um den Vogelschutz in den USA: Wie weit zielte das absichtlich oder unabsichtlich auf Native Americans? – Der Federschmuck des Häuptlings ist ja durchaus ikonisch.
Mal wieder eine wunderbare Folge. Der englische Biologe Richard Dawkins wurde 1941 in Nairobi geboren, wo sein Vater Offizier der Alliierten Streitkräfte war. Die einfachen Soldaten waren zumeist Afrikaner. Ein Soldat sah zum ersten mal im Leben einen Strauß und war sehr aufgeregt. Seine Meldung war : da ist ein Riesenküken. Die Beobachtung war sehr gut, weil wenn man die Größe und das Gewicht ignoriert und sich die Körperform ansieht ist man sehr nah an einem Hühnerküken dran. In einem seiner Bücher hat Richard Dawkins das näher ausgeführt, wahrscheinlich in „Geschichten vom Ursprung des Lebens“.
Noch als Nachtrag: Der deutsche NABU geht ebenfalls auf Vogelschutz zurück, schaut mal: https://de.wikipedia.org/wiki/Lina_H%C3%A4hnle
Auch hier waren Frauen wegweisend und banden bald zahlreiche Prominente in ihre Engagement ein.
Und zur Mode: Mit dem Ersten Weltkrieg wurde in der Bekleidung Material gespart, Schnitte wurden schlichter, Kleider knapper. Das setzte sich in den 1920ern fort, dann als „sportlicher“ Stil. Dazu kam – kein Witz – die Gefahr der Hutnadeln. Die üppigen Hüte hielten nicht alleine auf dem Kopf, sondern wurden mit langen Nadeln in der Frisur fixiert. Diese Nadeln galten in engem Gedränge (Bus!) als extrem gefährlich. Abgesehen davon hielt auf einem Bubikopf nichts. Die knappen Filzkappen ersetzten also ausladende üppig dekorierte wagenradgroße Hüpte und bildeten mit den schlichten kurzen Kleidern an den schlanken Körperidealen ein stimmigeres Erscheinungsbild.
Wie immer eine tolle Folge! Wie Daniel richtig erwähnt, war der Birkenhead Drill keineswegs schon immer Standard. Man muss sich nur die Untergänge der SS Arctic (1854) und SS Atlantic (1873) ansehen, um zu verstehen, wie verheerend Panik und Chaos an Bord eines transatlantischen Passagierschiffes bei einem Unglück sein können. Im Fall der SS Arctic überlebten keine Frauen und Kinder, im Fall der SS Atantic nur ein 12-jähriger Junge.
Eine kleine Anmerkung habe ich allerdings noch: Daniel spricht bei 12:02 von einem „Engelhardt Collapse Boat“. Korrekt müsste es „Engelhardt Collapsible Boat“ heißen.
Lieber Richard, lieber Daniel, danke für diese wunderbare Folge! Sie ist wieder einmal ein Beweis dafür, wie es Euch hervorragend gelingt aus einem von außen gesehen ungewohnten Thema eine spannende Geschichte spinnen könnt.
Ich kann leider nur selten etwas dazu betragen, aber dieses Mal hab ich was für Euch:
Ich habe einige Jahre in England gelebt und während dieser Zeit aufgeschnappt, dass die Insignien des Prince of Wales als britischer Thronfolger drei Straußenfedern zeigt, darunter als Motto das deutsche „Ich dien“, also ich diene.
Der Legende nach geht das zurück geht das auf die Schlacht bei Crécy im hundertjährigen Krieg 1346. Nach der Schlacht übernahm der damalige 16-jährige Prince of Wales, der „schwarze Prinz“ genannte Edward of Woodstock, vom auf französischer Seite kämpfenden und in der Schlacht gefallenen böhmischen König, dem blinden Johann von Luxemburg, Wahlspruch und Wappenzeichen, eben die drei Straußenfedern. Das, weil er von seiner Tapferkeit und Ritterlichkeit so beeindruckt war.
Das Zeichen der 3 Straußenfedern war in England, solange Charles noch der Prince of Wales war, recht allgegenwärtig, weil alle Unternehmen, welche dem Prince of Wales offizielle Hoflieferanten waren, dieses Zeichen neben dem Firmenlogo führten. Selber aus Erinnerung belegen kann ich das zB beim Hemdenmacher Turnbull & Asser, laut Wikipedia waren es auch Firmen wie Aston Martin, Procter & Gamble, das Ritz Hotel, der Champagner Laurent-Perrier oder der Whiskyhersteller Laphroaig.
Aktuell wird es nicht so viele Straußenfedern neben Firmenlogos zu sehen geben, weil alle Firmen, welche nun den König beliefern, auf das Wappen des Königs gewechselt haben und der neue Prinz noch keine „Royal Warrants“ vergeben hat.
Hier die Wikipedia Seiten dazu:
https://en.wikipedia.org/wiki/Prince_of_Wales%27s_feathers
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_britischer_Hoflieferanten
https://www.royalwarrant.org/
Hallo,
wieder einmal eine schöne Folge. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und noch einige Funfacts zu Federn ergänzen:
Die Maori hatten Mäntel aus Kakapofedern, weil dieser kleine, flugunfähige Papagei allegegenwärtig auf Neuseeland war. Derzeitige Population rund 250 Stck. (wachsend).
Die längste Feder der Vogelwelt hat der Argusfasan mit bis zu 1,70m. Es sind natürlich Augenflecken auf den Federn zu sehen.
Besonders beliebt, bereits bei den indigenen Völkern Mittelamerikas, waren die Federn des Quetzal. Hierzu ist die sog. Federkrone Monetzumas (wahrscheinlich ein Kopfschmuck eines Priesters) ein eindrucksvolles Beispiel. Diese befindet sich im Weltmuseum Wien.
Die teuersten Federn, die man ohne CITES Bescheinigung legal kaufen kann sind die Daunen der Eiderente. Mit diesen Federn lassen sich besonders leichte und warme Decken herstellen.
Bevor man die versteinerte Platte des Archäopteryx fand, hatte man bereits den Abdruck einer versteinerten Feder gefunden und dem Vogel seinen Namen gegeben.
Auch möchte ich noch auf die Eigröße der Strauße eingehen, denn es sind zwar die größten Eier in der Vogelwelt, aber gemessen an der Körpergröße des Vogels hat der Strauß das kleinste Ei aller Vögel. Das Größte Ei im Verhältnis zum Körper legt der Kiwi.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kakapo
https://de.wikipedia.org/wiki/Argusfasan
https://de.wikipedia.org/wiki/Quetzal_(Vogel)
https://de.wikipedia.org/wiki/Eiderdaune
https://de.wikipedia.org/wiki/Archaeopteryx
https://de.wikipedia.org/wiki/Kiwis#Fortpflanzung
Es ist immer wieder erschütternd. Wo der Mensch hin langt, macht er alles kaputt.
Hat der Vogelschutz in Deutschland mit den amerikanischen Anfängen zu tun, oder hat er sich unabhängig davon entwickelt?
zum Thema Federn, Vogelschutz gibt´s übrigens auch einen Spielfilm aus dem Jahr 1958
Sumpf unter den Füßen
https://www.imdb.com/de/title/tt0052395/
ist mir bei dem Thema wieder in Erinnerung gekommen. Hab den mal vor Ewigkeiten gesehen.
Hallo zusammen,
Vielen Dank für die tolle Folge – endlich mal was zum Thema Vögel 🙂
Ich habe mich das mit dem Federn aufsammeln auch letztens gefragt, weil wir im Rheinland die tollen grünen Halsbandsittiche haben und ich eine schöne grüne Feder im Garten gefunden habe. Turns out: Streng genommen auch in Deutschland verboten:
https://www.swr.de/swr4/programm/vogel-federn-mitnehmen-verboten-artenschutz-102.html
Als NABU-Mitglied finde ich das aber gut und sinnvoll und habe sie nicht in eine Vitrine gestellt.
Hallo Daniel,
In der Autoindustrie werden Emufedern verwendet.
Ich habe hier ein älteres Beispiel von BMW aber alle anderen machen das auch so:
https://www.press.bmwgroup.com/deutschland/photo/detail/P90262394/Vor-der-Einfahrt-in-die-Lackierstra%C3%9Fe-wird-die-Karosserie-mit-Emufedern-gereinigt-BMW-Group-Werk
Grüße
Dieter